Beetgestaltung,  Design,  Gartenevent,  Mit Schaufel und Harke

Beetideen von der Landesgartenschau Überlingen

Die Landesgartenschau in Überlingen ist sicherlich eine der schönsten Gartenschauen, die ich bisher besucht habe. Besonders die opulent gestalteten Blumenbeete haben es mir angetan. Sie zeugen von einer großer Gartenkunst. Sowohl in der Auswahl der Pflanzen, als auch in der farblichen Zusammenstellung. Die Beete sind wunderschön, bienenfreundlich und den sich verändernden Klimaverhältnissen angepasst. Alles, was ein modernes Beet braucht, ohne dass auf Üppigkeit verzichtet werden muss. Wie das geht? Das zeige ich Dir jetzt.

Farbliche Gestaltung

Farben, besonders satte und starke Farben, bestimmen das Bild der Gartenschaubeete. Damit zeigt das Trendbarometer auf eindeutig aussagekräftige, imposante Beete. Romantisch, pastellne Anpflanzungen waren kaum zu finden. Dieser Trend setzt sich eher in naturnah gestalteten Wiesen fort, die immer wieder auf dem Gelände zu finden sind. Lediglich die Art der verwendeten Pflanzen lässt noch Rückschlüsse auf die vorhergehende Romantisierung der Gärten schließen. Es wurden vornehmlich Bauern- und Cottagegartenblumen verwendet.

Rosa-Lila

Ein rosa Beet gespickt mit Einjährigen.

Dahlien, Zinnien, Schmuckkörbchen, Spinnblumen und Löwenmäulchen sind die Stars, die in fast jedem Beet zu finden sind. Viele der Einjährigen stammen ursprünglich aus Südamerika und sind perfekt auf heiße Sommertage eingestellt. Sie beten die Sonne förmlich an. Die meisten der bezaubernden Sommerblumen zeigten sich in kräftigen Rosa-, Violett- und Lilatönen. Wie zufällig sind dazwischen wenige, aber äußerst effektvolle, zarte bis weiße Töne zu finden. Sie verbinden die poppigen Farben miteinander.

Nur wenige Stauden lassen sich finden. Die Gaura, wenige Astern und hier und da ein Gras sind immer mal wieder zu entdecken, spielen aber keine Hauptrolle in den Schaubeeten. Es wird voll und ganz auf Einjährige gesetzt. Lässt man sie sich selbst aussähen, hat man im nächsten Jahr wieder ein ganz anderes Bild im Beet. Das ist es, was es so besonders macht. Auch ein Beet darf der ständigen Wandlung anheim fallen.

Nur wenige Stauden komplettieren die Beete.

Rot-Orange

Rote, orangene und kräftige lila und rosa Farben sind typisch für ein „Hot Border“, wie die Briten ihre Beete nennen, die mit warmen Farben gestaltet sind. Hot Border sind in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen. Die kräftigen Rot- und Orangetöne passten einfach nicht in das Konzept eines romantischen Gartens. Jetzt sind sie wieder da und erinnern an die siebziger Jahre, in denen die Gärten auf Rot und Orange setzten. Auch die Pflanzenauswahl erinnert stark an diese Zeit.

Als „Hot Border“ wird ein Beet bezeichnet, in dem nur warme Farben verwendet werden.

Zinnien, Dahlien und Studentenblumen zeugen von den wilden und unkapriziösen Jahren. Jedes Beet hat zudem einen Hingucker, der für Struktur oder einen fulminanten Mittelpunkt sorgt. Hier wurde die Rizinuspflanze verwendet, die dem Beet Höhe gibt. Die Sorte „Impala“ ergänzt das Blütenarrangement mit ihren wunderbaren großen roten Blättern und Stängeln. Roter Salbei verbindet in der untersten Etage alle Pflanzen miteinander.

Der Salbei ist ebenfalls in vielen der Beete zu finden. Auch hier werden vornehmlich südamerikanische und damit für uns einjährige Varianten des Salbeis verwendet. Vielleicht wird auch spekuliert, dass bei unseren immer weniger kalt werdenden Wintern, die Pflanzen überleben. Ich denke allerdings, dass es mehr um das Spiel mit der Veränderung geht und im nächsten Jahr wieder alles auf Null gesetzt werden kann.

Salbei in allen Variationen findet sich in den Beeten der Gartenschau.

Gelb-Weiss

Ich habe mich besonders über die Beete gefreut, die mit einer Gelb-Weiss-Variation aufwarten konnten. Mein Double Border ist ebenfalls in dieser Kombination gestaltet und ich hatte dieses Jahr auch vor, Dahlien als wichtige Strukturgeber zu integrieren. Leider haben bei mir die Schnecken einen Strich durch die Rechnung gemacht. In Überlingen zeigt sich mir, wie gut ein Beet mit Dahlien ausgesehen hätte.

Weiss und Gelb ist immer eine erfrischende Farbkombination.

Neben den bereits bekannten Einjährigen, beherbergen diese Beete auchStauden, wie den Sonnenhut (Rudbekia) und die Sonnenbraut. Mir gefällt es, dass neben den Einjährigen, Stauden verwendet werden. Sie gehören zu meinen Lieblingspflanzen. In der Gesamtkomposition wirkt das Beet üppig, aber dennoch natürlich. Insgesamt wirkt es, wie eine reichhaltige Steppenlandschaft.

Auch diese Beete erinnern ein wenig an die wilden siebziger Jahre. Hier wird jedoch durch das Beimischen von Weiss die Härte der starken Gelbtöne gebrochen. Damit wirkt alles erfrischend harmonisch und nicht so grell. Als Strukturpflanze lässt sich hier und da ein etwas größer werdender und weiss blühender Tabak finden. Er gibt dem Beet die wichtige Höhe und lässt es mit Hilfe seiner kleinen, hängenden Blüten locker und natürlich wirken.

Schmuckkörbchen und Sonnenhut als Beetpartner.

Lebensraum

Als weiterer Trend lässt sich das bepflanzen der Beete mit klimaresistenten Pflanzen ausmachen. Ein gutes Beispiel ist der Schaugarten des Landschaftsbauers Matthias Wiedenhorn. Es setzt beim Gestalten seiner Gärten auf trockenheitsverträgliche Stauden und Gräser. Damit diese unsere nasskalten Winter überstehen, setzt er die Pflanzen in eine Schicht aus Sand und Splitt. Damit schützt er sie vor Staunässe und vor dem Verfaulen. So kommen die Pflanzen wunderbar mit den trockenen Sommern und den nassen Wintern zurecht.

Trockenheitsresistente Stauden ersparen das Gießen.

In seinem Schaubeet zeigt er typische sonnenliebende Pflanzen, wie sie bei uns auf kargen Schotterplätzen oder in den Steppen rund um den Globus vorkommen. Vor allem Gräser bestimmen das Bild, die mit Sonnenhut (Echinacea), Schafgarbe, Wolfsmilch, Salbei und Bartfaden komplettiert werden. Hier wird auf Stauden gesetzt, die das gestaltete Bild jedes Jahr aufs Neue entstehen lassen.

Erlaubt ist, was das Angebot sonnenhungriger Pflanzen hergibt. Bei der Auswahl der Bäume und Sträucher spielt das ebenfalls eine große Rolle. So wird der in den siebziger Jahren verwendete Essigbaum in einer neuen Züchtung mit dem Namen „Tiger Eyes“ als Strukturgeber im Beet verwendet. Er bildet keine Ausläufer mehr, wie es seine älteren Geschwister oft getan haben. Der Essigbaum wurde damit in unseren Gärten immer seltener, obwohl er sich gut an die neuen klimatischen Veränderungen anpassen würde.

Ein Schaugarten für die Zeiten des Klimawandels.

Die Klimabeete zeichnen sich alle durch eine natürliche Struktur aus. Sie sind eher Steppenartig gestaltet mit Gräsern als Haupstrukturgeber. Die Stauden wachsen dabei locker zwischen den Gräsern. Farblich ist die Beetgestaltung ähnlich zu den Einjährigen-Schaubeeten abgestimmt. Es gibt zum Großteil Farbthemen. Auch hier ist das „Hot Border“ stark im kommen. Aber auch kühle Farben lassen sich in einer ganz eigenen Kompostion finden. Es wird auch mal etwas gewagt. So wächst im blauen Beet ein silbriger Eukalyptus. Ob er den Winter überlebt?

Auch kühle Farben sind im Trend.

Und nach Hause

Ich habe es sehr genossen, durch die Gartenschau zu streifen und neue Beetideen zu entdecken. Vielleicht integriere ich im nächsten Jahr noch einmal Dahlien ins Double Border und ergänze mit Zinnien. Sofern wir nicht wieder ein Schneckenjahr bekommen, müsste das meine Beete noch üppiger erscheinen lassen. Einen guten Mix von Stauden und einjährigen werde ich auf jeden Fall beibehalten.

Ich hoffe, ich konnte Dir die Beete der Landesgartenschau in Überlingen etwas näher bringen und Dich inspirieren. Wenn Du weitere Ideen oder Erfahrungen zu diesen Beetideen hast, dann schreib sie doch einfach in meine Kommentare. Ich freue mich über jede Ergänzung.

Viel Spaß bei der Beetplanung und Beetgestaltung wünscht Dir,

Dein Sven.

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Hier noch ein paar hilfreiche Links zur weiteren Orientierung (Werbung ohne Gegenwert):

James der Gärtner zeigt in seinem Video den Garten von Matthias Wiedenhorn auf der Landesgartenschau in Überlingen. Hier geht es direkt zu James und seinem Videobeitrag.

Weitere Informationen zur Gartenschau findest Du hier: Landesgartenschau Überlingen 2021

Die farbliche Zusammenstellung der Beete wurde nach Prinzipien vorgenommen, die ich in meinem Artikel zur Farbauswahl zusammengestellt habe: Ein Beet mit Wow-Effekt – Die Farbauswahl.

5 Comments

  • Renate Zickenheimer

    Lieber Sven, was für eine Freude, auch wenn die LaGa Ingolstadt mir viel näher wäre, so hätte ich, wenn ich mich dieses Jahr überhaupt zu einem LaGa Besuch hätte durchringen wollen, für Überlingen entschieden. Nun hast Du zum Besuch eingeladen, wie schön! Das Bodensee-Klima ist ja um einiges milder, als meines in Oberbayern. Auf trockenheitsverträgliche Stauden langsam umzustellen und mehr und mehr Sand- und Kiesbeete anzulegen liegt im Trend und wird mit den Wetterkapriolen, die den Klimawandel deutlicher denn je einläuten, sicher in den nächsten Jahren zulegen.
    Aber nun hoffe ich doch seeeeehr, wenn Du schon in Überlingen warst, hast Du auch einen Besuch auf der Blumeninsel Mainau geschafft? Da hättest Du wohl genau das Bild in den GdS-Staudenbeeten gesehen, das ich übermorgen auf Wurzerlsgarten vorstellen möchte, die Hemerocalliszeit!
    Nun wünsche ich Dir schöne Gartentage, auf bald. LG Wurzerl

  • Mina

    So ein inspierirender Blog! ich finde ja: umso bunter, umso besser. Am besten soll alles durcheinander und wie es will wachsen! Hast du einen Tipp für besonders Pflegeleichte Blumen, die auch bei einer Anfängerin überleben? 🙂

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