Design,  Ein Gefühl von Garten,  Gartengestaltung,  Mit Schaufel und Harke

Der Cottagegarten – ein Muss!

Über die Jahrhunderte hinweg entstanden immer wieder neue Gartenstile. Mal waren sie streng formal, mal wild. Mal an der Natur orientiert, mal bis ins Detail geformt. Mal war das Eine, mal das Andere modern. Heute bestehen viele unterschiedliche Gartenstile nebeneinander. So findet jeder den Garten, der zu seiner Persönlichkeit passt. Besonders oft trifft man auf den Cottagegarten. Ein Gartenstil der auch mir sehr am Herzen liegt und weite Teile meines Gartens bestimmt.

Auf „Smallhythe Place“ gibt es einen kleinen Cottagegarten.

Was ist ein Cottagegarten? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn Cottagegärten sind sehr vielfältig und haben meist unterschiedliche Schwerpunkte. Dennoch gibt es ein paar Anhaltspunkte, die den meisten Cottagegärten gemein sind. Da ist beispielsweise eine Unmenge an Blüten, die fast das ganze Jahr den Garten bereichern. In dieser Hinsicht sind Cottagegärten immer überbordend. Es blüht soweit das Auge reicht. Die Auswahl der Farben und Formen ist eher feminin und vermittelt so eine weibliche Zartheit. Dabei können sie durchaus auch formale Elemente aufweisen. Dies jedoch eher in Wegen, Einfassungen oder strukturierenden Formschnittgehölzen. Die Beete bleiben immer üppig, mit einer Tendenz zum Wilden. So vermittelt der Cottagegarten eine lässige, liebliche und entspannte Atmosphäre.

Besonders Rosen spielen in der Neuinterpretation eine wichtige Rolle.

Der Ursprung der Cottagegärten findet sich bei britischen Landpächtern um 1600. Sie konnten neben der Bestellung der Äcker ein Stück Land für ihre eigene Lebenshaltung bewirtschaften. Dies war gewöhnlich ein kleines Stück Fläche um das Cottage. Dort wurde vor allem Obst und Gemüse angebaut. Aber auch Pflanzen zu medizinischen Zwecken fanden sich in diesen Gärten wieder. In der Viktorianischen Zeit wurden sie immer populärer. Man förderte den Gemüseanbau mit Wettbewerben und es wurden sogar die ersten Zeitschriften für Cottagegärtner produziert.

Das „Charleston Farmhouse“ hat für mich den schönsten Cottagegarten.

Mitte des 18. Jahrhunderts begann die Revolution des Cottagegartens, der in seiner verspielten Üppigkeit als Kontrapunkt zu den weitläufigen englischen Landschaftsgärten inszeniert wurde. Nun war der Cottagegarten nicht mehr ein Garten des einfachen Volkes, sondern ein durchaus bewusst gesetzter Gegenpol wohlhabender Briten. Ein Gartenstil entstand! Namenhafte Gartendesigner widmeten sich nun dieser neuen Art der Gartengestaltung. Allen voran Gertrude Jekyll, Margery Fish, Vita Sachkville-West und Christopher Lloyd. Die wunderbar gestalteten Gärten dieser Pioniere lassen sich immer noch besichtigen und prägen das heutige Bild dieses Gartenstils.

Mit der Viktorianischen Zeit fanden auch zierende Elemente in den Garten.

Durch die vielen Kolonien der Briten kamen immer mehr fremdländische Pflanzen auf die Insel, was zu einer immensen Sammelleidenschaft führte. So fanden sich im Cottagegarten nicht mehr nur heimische Pflanzen, sondern auch Exoten aus allen Herrenländern. Lilien, Rittersporn und Zinnien werden heute als typische Cottagegartenpflanzen bezeichnet, obwohl sie erst zu dieser Zeit in die designten Gärten integriert wurden. So veränderte sich die Pflanzenvielfalt immens und es entstand das, was wir heute als Cottagegarten bezeichnen.

Ein Meer aus Fingerhut in „Great Dixter“.

So ist dieser Gartenstil nicht mehr der Garten, der zur Lebenserhaltung benötigt wurde, sondern eine idealisierte, blumige Version des damaligen ländlichen Gartenlebens. Damit die Imitation gelingt, darf der Garten nicht zu schick, zu aufgeräumt oder zu formal sein. Es müssen ursprünglich wirkende Materialien verwendet werden, wie Stein, Holz und vielleicht auch etwas Metall. Dabei darf nichts perfekt aussehen. Deshalb wächst zwischen den Mauerritzen etwas hervor, über den Zaun darf etwas lehnen und es darf etwas rosten oder die Farbe verlieren. Erst dann hat es den Charme, den das Imperfekte schon wieder perfekt macht.

Viele Blüten und eine romantische Stimmung.

In der heutigen Version des Cottagegartens geht es wieder mehr um den Blütenreichtum. Besonders Rosen spielen dabei eine Rolle. Als Ramblerrosen erklimmen sie alles was in die Höhe geht und winden sich so in Bäume oder über den Gartenschuppen. Dahlien sind ebenso erwünscht, wie Wicken und Hortensien. Der romantische Aspekt des Hausgartens ist dabei mehr in den Mittelpunkt gerückt. Üppig und feminin, gewürzt mit einer großen Portion Lässigkeit, ist dabei die Devise. Besonders oft findet man deshalb den eher knorrigen und unförmigen Staketenzaun als Abgrenzung des Grundstücks. Nicht perfekt aber idealisierend!

Heute ist der Staketenzaun ein Muss für den Cottagegarten.

Durch entsprechende Dekoration wird das Gefühl des Lässigen und Femininen noch weiter gesteigert. Dabei bleibt die Deko im natürlichen Rahmen. Ein Schaffell wird lässig über den Holzstuhl geworfen, aus Blüten, Blättern und Ästen werden Kränze und Girlanden gebunden und alte Gebrauchsgegenstände, wie beispielsweise Eimer, Gießkannen oder Siebe, werden zwischen den Pflanzen arrangiert. Man möchte sich das Gefühl einer heilen Welt in den Garten holen, was unter den momentanen Bedingungen auch nicht überraschend ist.

Formal sind die immergrünen Hecken – dazwischen wird’s wild!

Cottagegärten können darüber hinaus unterschiedliche Schwerpunkte haben. So kann der Anbau von Gemüse ein Schwerpunkt sein, welcher mit der üppigen Blütenpracht verschönert wird. Auch Blumenrabatten, Heilkräuter, Duftpflanzen oder einfach nur der Rückzug, können zum Schwerpunktthema eines Cottagegartens werden. Deshalb ist eine klare Beschreibung nicht immer leicht. Er ist eher ein Gefühl das vermittelt wird, als eine kognitive Definition. Ein Gefühl nach Ruhe, Lässigkeit, Zartheit und Natur, dass durch unzählige Blumen hervorgerufen wird.

Pfingstrosen gehören einfach in den Cottagegarten.

Ein Cottagegarten kann neben der Pflanzenvielfalt auch eine Vielfalt an Tieren aufbieten. Denkt man an das bäuerliche Leben zurück, ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Cottagegarten durchaus auch Hühner, Enten, Schafe, Ziegen oder Esel beherbergen kann. Er darf das ländliche Leben auch in dieser Form nachahmen. Zudem ist er aufgrund seines Blütenreichtums eine ideale Nahrungsquelle für viele Insekten und bietet Lebensraum für weitere wilde Tiere, wie Vögel, Igel, Echsen und Schlangen. Damit wird dieser Gartenstil zu einem wichtigen Helfer, der der Natur zur Seite steht.

Nichts soll zu perfekt aussehen!

So ist es nicht verwunderlich, dass der Cottagegarten immer beliebter wird. Er steht im Gegensatz zu unserer heutigen urbanen Welt als Schutzort für Mensch und Tier und lässt unsere Seele immer wieder auftanken. Er vermittelt seinen Besitzern ein Gefühl von Sicherheit und einer heilen Welt. Er entspannt und lässt die eigenen Batterien wieder auftanken. So gestärkt lassen sich der Alltag und die Stürme des Lebens wieder besser meistern. Zudem erkennt man immer mehr, dass Gartenarbeit Körper und Geist stärkt und sogar gesunden lassen kann.

Dekoriert wird mit alten, ausgedienten Dingen.
Über Mauern und Zäune darf es lässig wachsen.

Neben den vielen Pflanzen, die aus allen Ländern in den Garten gefunden haben, wird der Cottagegarten wieder etwas ursprünglicher. Es finden heimische Pflanzen in die Beete und Unkraut erlangt als Beikraut wieder eine Berechtigung in den Gärten. So wird der Blütenreichtum durch Heimisches ergänzt und alles wird noch vielfältiger. Der Cottagegarten entwickelt sich immer weiter, wird neu interpretiert und in die Gegenwart geholt.

Romantisch und feminin ist die Farbauswahl.

In meinem Garten zeigt sich vor allem der Rosengarten in dieser lässigen blütenreichen Art. Auch im Senkgarten geht es wild zu und das Gefühl des Cottagegartens lässt sich erspüren. Im Grunde gibt es in fast allen Gartenräumen Elemente des Cottagegartens, die ich mit modernen Ideen verknüpfe. So ist der Platz im Senkgarten mit den Dachplatanen eine moderne Interpretation der Lindenallee, die sich in einem Cottagegarten finden kann. Modernes Inventar, dass eher schnörkellos und schwarz gehalten ist, gesellt sich dazu und interpretiert die farbenfrohen, verspielten Metallstühle und -tische der späten Viktorianischen Zeit.

Im Senkgarten blüht es üppig.

Vielleicht konnte ich Dir Lust machen, auch Deinen Garten mit mehr Blumen auszustatten und ihn zu einem Cottagegarten zu machen? Ich kann bestätigen, dass er jeden Tag meine Seele erwärmt und auch bei vielen meinen Besuchern ein ähnliches Gefühl entsteht. Die Tierwelt dankt es mir und wird immer zahlreicher. Wenn Du wissen möchtest, welche Stauden und Sommerblumen ich besonders für den Cottagegarten geeignet halte, dann schau doch am Ende in die weiterführenden Links. Dort findest Du zur Blumenschau.

Über zahlreiche Kommentare freue ich mich sehr.

Liebe Grüße,

Dein Sven.

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Hier gelangst Du zu den Blumen des Cottagegartens.

Sarah von MyCottagegarten ist die Königin der deutschen Cottagebewegung. Auf ihrem Blog finden sich weitere Anregungen.

7 Comments

  • Heinz Emmrich

    Hallo lieber Sven, Deine Erläuterungen zum Cottage-Garten ist so aus dem Herzen geschrieben, das man selbst einen Cottage-Garten einrichten möchte. Einige englische Gärten und Parks haben wir anlässlich einer Busfahrt 2015 in Südengland Kent kennengelernt und man kommt aus dem Staunen nicht heraus mit wieviel Liebe, ideen, Gestaltung, Pflanzen , Wasser, seltene Bäume und Ruinen Gärten angelegt wurden. Dein Garten lässt einen in eine andere Gartenwelt versetzen und Seele und Liebe zu Blumen ständig im Einklang mit Gottes Natur baumeln. Ich wünsche Dir weiterhin viel Glück.

    • Karin Berends LÜÜRẞEN

      Hallo Sven
      Danke für den schönen Blogeintrag…
      Der Garten Stil ist ganz meiner… Ich liebe die Vielfalt und die Freiheit die dieser Stil bietet… Bei mir ist es schon einen Mischung mit Naturgarten… Aber immer noch gestaltet..
      Der Reiz für mich ist so wenig einzugreifen dass es natürlich aussieht aber nicht zugewuchert… Liebe Grüße Karin

  • Renate Zickenheimer

    Lieber Sven, zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zu Deiner neuen „Berufung“! Toll, bin begeistert!

    Ich habe im größeren hinteren Teil auch einen Cottage Garden, die Vielfalt erleichterte mir die Entscheidung für diesen Gartenstil. Allerdings gibt es in den letzten Jahren keinen Anbau von Gemüsen und Salat mehr, nur noch einige Kräuter sind eingestreut, auf die ich nicht verzichten möchte. Dafür gebe ich nach und nach Gartenteile im Zuge meines Seniorisierens der Natur zurück.
    Mein Lieblings-Cottagegarten in good old England ist übrigens East Lambrook Manor.
    Ich wünsche Dir eine gute neue Woche. LG Wurzerl

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