Künstlergärten,  Über Stock und Stein

Der Weisse Garten von Sissinghurst Castle

Der wohl bekannteste Gartenraum von Sissinghurst ist der Weisse Garten. Ich hatte mir sehnlichst gewünscht ihn selbst einmal sehen zu können. Im Jahr 2017 war es dann soweit. Den Rosengarten und den Cottagegarten hatte ich bereits erkundet. So war die Aufregung groß, als ich das Tor entdeckte, dass in den Weissen Garten führte.

Die Spannung steigt. Da gehts zum Weissen Garten!

Es war eine ungeahnte, große Überraschung. Ich war überwältigt! Auch dieser Gartenraum wartete mit einer Üppigkeit auf, die man hierzulande vergeblich sucht. So viele Pflanzen, so viel Grün und vor allem so viel Weiss. Weiss in allen Nuancen, in allen Blütenformen und in allen Größen. Als wäre der Garten zart von Schnee bepudert. So schön leuchtete es aus dem Grün heraus.

Der erste Blick in den weissen Garten.

Die Üppigkeit wurde von kleinen Buchshecken in Schach gehalten, dass sich fast nichts den Besuchern in den Weg stellen konnte. Das wilde Treiben hatte so seinen Halt und Struktur. Ergänzt wurde dies durch Quaderförmige Buchsgebilde, die sich im hinteren Gartenteil des Weissen Gartens, mit einer Strenge gegen das überbordende Grün zur Wehr setzten. Alle Beete waren formal umschlossen, was diesen Gartenraum auch noch im Winter unwiderstehlich wirken lässt.

Das „Haus des Priesters“ setzt den architektonischen Schwerpunkt im Weissen Garten.

Es ist kaum zu glauben, was sich alles in den Beeten von Sissinghurst finden lässt. Stauden, Einjährige, Zweijährige, Bäume und Sträucher. Ganz der Tradition der Mixed Border verpflichtet, tummelt sich hier alles, was ein Garten zu bieten hat. Wir waren Anfang Juni in Großbritannien und die einjährigen Sommerblüher hatten den Garten schon fest im Griff: Mohn, Wilde Möhre und Cosmea bahnten sich ihren Weg durch das Grün der Stauden.

Die formale Struktur hält den Garten zusammen.

Dieser Gartenraum entstand erst nach dem zweiten Weltkrieg. Ursprünglich sollte ein weisses Beet an einer anderen Stelle des Gartens entstehen. Dieser Bereich war jedoch so klein und schattig, dass sich Vita und Harold einem anderen Gartenraum widmeten, dem ehemaligen Rosengarten. Dort entstand der weisse Garten, der heute noch als ein Meisterstück der Gartenkunst gilt. Hier gab es genug Platz und Sonne, um aus dem Vollen schöpfen zu können.

Weiss in verschiedenen Farbnuancen.

Man glaubt es kaum, wieviel unterschiedliche Pflanzen weiss blühen. Dabei gibt es hier nur eine kleine Auswahl. Vita pflanzte jedoch nicht nur rein weisse blühendes Grün, sondern auch viele in verschiedenen weissen Nuancen. Manches hat schon Anteile von blau, rosa oder gelb. Damit ist Weiss nicht gleich Weiss und es entsteht Abwechslung. Das ist es, dass den Garten interessant macht.

Ein romantischer Blick.

Aber nicht nur das changieren von Weisstönen lässt den Garten spektakulär wirken, sondern auch unterschiedliches Blattgrün bringt Lebendigkeit in das Gesamtbild. Besonders häufig kommen Gewächse mit silbrigem Blatt in den Beetarrangements vor. Weiss und Silber harmonieren unwiderstehlich miteinander. Ein ähnliches Konzept verwende ich in meinem Double Border, bei dem ich durch die Hinzunahme der Farbe „Gelb“ einen nostalgischen Touch hinzu füge.

Hier dominiert die Zistrose das Arrangement.

Während unseres Besuches war die formale Struktur des Gartens kaum zu erkennen. Die Gärtner hatten es wohl zu gut gemeint mit den Einjährigen, so dass es an der einen oder anderen Stelle zu üppig wuchs und das Gesamtkonzept etwas aus dem Auge verloren wurde. Einen Monat später sah es sicherlich wieder anders aus. Zu schade, dass man nicht einfach mal mit dem Auto hinfahren kann. Von uns aus sind es zu viele Kilometer – ganz zu schweigen von dem großen Kanal der sich noch dazwischen schummelt.

Noch blüht der Rosenpavillion nicht ganz.

Es war sehr schade, dass die Rose „Rosa mulliganii“, die in der Mitte des Gartens den Rosenpavillion umspannt, noch nicht in voller Blüte stand. Das wäre ein unvergessliches Bild gewesen. Zumindest gab es schon die ersten kleinen Blümchen, die erahnen ließen, welche Pracht sich demnächst entwickeln würde. Vermutlich wären es nur ein paar wenige Tage bis zur vollen Blüte gewesen.

Ein wunderbarer Blick in den Weissen Garten aus der Laube heraus.

Wir sind eine Weile in der kleinen Laube am Ende des Weissen Gartens gesessen und haben alles auf uns wirken lassen. Man sagt, dass Vita und Harold hier oft am Abend gesessen und auch gegessen haben, um die wunderbare Leuchtkraft der weissen Blüten in der Abenddämmerung und bei Mondschein genießen zu können. Es ist schon etwas seltsam, wenn man dort sitzt, wo die beiden damals saßen. Wie gerne hätte ich mich mit ihnen über ihren Garten unterhalten. Hätte sie gerne nach Pflanzkombinationen, Tipps und Tricks gefragt. Das ist nicht mehr möglich. Nun erzählen die Pflanzen selbst ihre Geschichte.

In dieser Laube saßen schon Vita und Harold.

In diesem und in den anderen Gartenräumen stecken all die Facetten, die die Persönlichkeiten von Vita und Harold ausmachen. Man findet sie in jeder Blume, in jedem Weg, in jedem Baum und in jedem Gebäude. Man erlebt die Leidenschaft von Vita, die Klarheit von Harold, die Anmut und die Struktur. Je mehr man sich mit dem Garten beschäftigt, umso mehr beschäftigt man sich mit zwei Menschen und deren Emotionen, Wünsche und Fähigkeiten. Dieser Garten ist Vita und Harold!

Durch ein Tor verlässt man den Garten wieder.

Überall im Garten findet man diese zwei Menschen wieder. Deshalb werde ich Dir noch weiter von unserer Gartenreise und von diesem Garten berichten. Es gibt noch viel zu entdecken und ich freue mich, diese kleinen Schätze mit Dir teilen zu können.

Ein Hoch auf Vita und Harold,

Dein Sven.

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Weiteres zum Sissinghurst Castle Garden findest Du hier (Werbung ohne Gegenleistung):

https://www.nationaltrust.org.uk/sissinghurst-castle-garden

Wenn dich der Beitrag zum Rosengarten von Sissinghurst Castle interessiert, dann findest Du ihn hier:

https://beetwunderung.de/der-rosengarten-von-sissinghurst/

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