Künstlergärten,  Über Stock und Stein

Sissinghurst Castle Garden

Ich habe bereits vom Rosengarten und dem Weißen Garten in Sissinghurst berichtet. Zwei grandiose Gartenräume, die mich sehr bewegt haben. Die Üppigkeit und Schönheit ist kaum zu überbieten. In jedem noch so kleinsten Winkel dieses Gartens spürt man die Liebe zu Pflanzen und das Talent Strukturen zu schaffen. Zwei leidenschaftlich lebende Persönlichkeiten haben hier ihre deutlichen Spuren hinterlassen und einen Garten geprägt, wie er kein zweites Mal zu finden ist.

Landwirtschaftliche Gebäude und weite Wiesen.

Sissinghurst ist der erste englische Garten, den ich besucht habe. Ich musste unbedingt dort hin. Nichts durfte schief gehen. Deshalb bin ich auf meiner Gartenreise als erstes nach Sissinghurst gepilgert. Zuerst kommt man an einem großen Parkplatz an. Der berühmte Turm ist dort noch nicht zu sehen und man läuft der Beschilderung und den anderen Besuchern durch mehrere den Parkplatz untergliedernde Hecken hinterher. Dann stößt man auf eine Ansammlung landwirtschaftlicher Gebäude und auf große Wiesen, die mit einem wunderbaren Margeritenmeer aufwarten können.

Der Eingang zum Gartenglück.

Und dann sieht man es auch schon: Sissinghurst Castle mit seinem markanten Doppelturm. Ich war unheimlich überwältigt. Die Tränen kullerten über die Wange. Ein bisschen kam ich mir vor, wie ein Teenager auf einem Popkonzert. Von Gefühlen übermannt und dem Idol endlich nahe. Hier war ich also. An dem Ort von dem ich schon so viel gelesen hatte, dessen Erschaffer mir aus unzähligen Büchern so bekannt und die vielen Bilder immer ein Vorbild für meinen Garten waren. Es war kaum zu glauben.

Vita’s Schreibturm steht in der Mitte des Gartentraums.

Beim Durchschreiten des Eingangstores wurde ich mit Hilfe einer kleinen Tafel und einer Staffelei aus Rosen begrüßt. Die „Gardeners Notes“ sind ein kleiner Willkommensgruß der Gärtner von Sissinghurst. Hier wird auf den Punkt gebracht, was gerade besonders sehenswert ist. Zu meinem Besuch waren es die Rosen, die in voller Blüte standen. Hinter dem Eingang befindet sich der Innenhof, der von Gebäuden und Backsteinmauern eingeschlossen ist. Dort erscheint mittig eine große Rasenfläche, die von Staudenrabatten gesäumt wird. Ein Weg führt direkt zum Turm, den man durchschreiten kann und auf der anderen Seite zum großen Rasenplatz kommt. Beide Bereiche sind ähnlich gegliedert.

Ein typisches Mixed Border.

Folgt man seinem Weg geradeaus weiter, landet man auf der Obstbaumwiese. Dorthin kommt man durch einen Durchgang in der großen Eibenhecke, die in ihrem Inneren einen Pfad beherbergt, mit dessen Hilfe man schnell in mehrere Gartenbereiche gelangen kann. In die Wiese sind Wege gemäht, so dass man diesen Gartenbereich leicht durchwandern kann. Bei Wind wiegen sich die Gräser und Blumen hin und her, so dass ein ruhiger, entspannender Augenblick entsteht, der auf einer Bank noch länger genossen werden kann.

Die Obstbaumwiese mit ihren gemähten Wegen.

Neben Innenhof und großer Rasenfläche entfaltet der Rosengarten seine volle Pracht. Hier werden Rosen und Stauden gekonnt miteinander vermählt, so dass ein bezaubernd üppiger und wilder Eindruck entsteht. Ganz anders als die typischen Rosengärten in Deutschland, in denen die Schönheiten meist nur unter ihres gleichen präsentiert werden. Hier blüht immer etwas und das gekonnt in der Farbkombination Rosa, Lila, Blau und Weiss. Mehr zum Rosengarten gibt es in einem früheren Artikel, den Du hier aufrufen kannst.

Der Rosengarten wirkt opulent und majestätisch.

Dem Rosengarten folgt der Cottagegarten. Dieser ist ganz in den Farben Rot, Gelb und Orange gehalten. Eine Farbkombination die ich in meinem Garten nicht verwenden würde, aber dennoch verzaubert hat. Die Präsentation und Kombination dieser Farben ist so unglaublich gelungen, dass es unmöglich ist, sie nicht zu mögen. Auch hier heißt es „Klotzen, nicht kleckern“. In den Beetgrößen von Sissinghurst läßt sich allerhand pflanzen und probieren. Ganz anders als in meinem Garten, lassen sich auch größere Bereiche mit nur einer Sorte bepflanzen. Das ist es, das hier die große Wirkung erzielt.

Im Cottagegarten herrschen die Farben Gelb, Orange und Rot vor.
Traumhafte Rabatten mit Stauden und Gehölzen.

Weitere Gartenzimmer schließen sich dem Rosengarten und dem Cottagegarten an: Da gibt es zum Beispiel die Lindenalle, die besonders im zeitigen Frühjahr schön anzusehen ist. In dieser Zeit blühen zu Fuße der Linden eine Vielzahl an Zwiebelblühern. Dann gibt es noch die „Nuttery“, die aus Haselnussbäumen besteht und am Boden einen Schattengarten beherbergt. Hier wachsen besonders viel Farne.

Die „Nuttery“ schafft Schatten für Farne.
Der ehemalige Wassergraben wurde zum Laufsteg für Azaleen.

Im Grabengang kann man im Frühjahr die Azaleenblüte bestaunen. Unterpflanzt sind sie mit vielen Frühlingsblühern, so dass besonders hier und in der Lindenallee phänomenale Frühjahrsbilder entstehen. Doch nicht nur diese floralen Eindrücke bezaubern den Betrachter, sondern auch die gut durchdachte Strukturierung des Gartens. Egal wohin man geht, man hat immer einen Punkt im Auge, der Interesse weckt und durch den Garten führt. Vor dem Erreichen dieses Anziehungspunktes ergeben sich immer wieder andere überraschende Eindrücke und man wird weiter geleitet zum nächsten Punkt der Sichtachse.

Kräuter wohin das Auge reicht.

In der hintersten Ecke des Gartens, nachdem man die vielen Gartenräume hinter sich gelassen hat, findet sich noch ein Kräutergarten. Rote Backsteinwege wechseln sich hier mit grauen Steinplatten ab. Hohe Eibenhecken rahmen diesen Gartenraum. So entsteht ein warmes, eher trockenes Klima, das sich wunderbar für mediterrane Kräuter eignet. Hier wächst alles, was auch nur im weitesten Sinne als Kraut bezeichnet werden kann. Von den typisch mediterranen Kräutern, wie Rosmarin, Salbei und Thymian, über Duftkräuter, wie Lavendel, Heilkräuter, bis hin zu Vergnügungskräutern, wie Tabak.

Im Weißen Garten zeigt sich eine phänomenale Pflanzenauswahl.

Auf der anderen Seite des ersten Innenhofes führt ein kleiner Durchgang direkt in den Weißen Garten. Dieser Gartenbereich ist der berühmteste Gartenraum von Sissinghurst. Er bezaubert durch die unterschiedlichsten Nuancen von Weiß und der vielfältigen Blattstrukturen. Besonders silbriges Laub unterstreicht das Weiß und lässt es noch edler und harmonischer wirken. Weiße Gärten kamen hauptsächlich Anfang und Mitte des letzten Jahrhunderts in Mode. Nur wenige wurden so bekannt, wie der von Sissinghurst.

Beim Priesterhaus wird es natürlicher und ruhiger.

Am Haus des Priesters liegt der Gartenraum, der als „Delos“ bezeichnet wird. Hier wird der Garten auf einmal freier. Er ist nicht mehr so geradlinig und eher geschwungen. Die Bepflanzung ist nicht mehr so opulent. Dieser Gartenraum wirkt natürlicher und lässt das Auge ruhen. Auf einer Bank im Schatten lässt es sich wunderbar träumen und der Gartenbesuch kann langsam zum Ausklingen kommen.

Ein kleines Denkmal für die Erschaffer eines wunderbaren Gartens.

Am Ende der Gartenbesichtigung gab es wieder Scones und Tee. Der sogenannte „Creamtea“ gehört einfach dazu. Das schöne ist, dass die meisten Gärten die Möglichkeit zu Kaffee und Kuchen, einem Eis oder einer flüssigen Erfrischung bieten. So lässt sich der Tag wunderbar genießen.

Till then,

your Sven.

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Hier geht es zu den zwei anderen Artikeln der Sissinghurst-Trilogie:

Der Rosengarten von Sissinghurst

Der Weiße Garten von Sissinghurst Castle

Weiteres zum Sissinghurst Castle Garden findest Du hier (Werbung ohne Gegenleistung):

https://www.nationaltrust.org.uk/sissinghurst-castle-garden

2 Comments

  • Karin Berends Lüürßen

    Ja dieser Garten hat mich auch zu tiefste berührt…. Ich hatte viel dazu gelesen vorher und so ging es mir wie Dir… Ich möchte ihn unbedingt noch einmal wiedersehen… England war ein Highlight für mich… Die Gärten und die Natur…. Danke für deinen schönen Bericht… Grüße Karin

  • Lisbeths Haveblog

    Thank you for an inspirering tour. I hope to visit Sissinghurst some day.
    I recall the feeling of tears being close to ones idol as I had the same feeling when I visited Piet Oudofs garden some years ago.
    Regards Lisbeth

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