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Superfood – Microgreens & Sprossen

Auch im Winter möchte man gut mit frischem Grün und Vitaminen versorgt sein. Das ist allerdings gar nicht so leicht. Die Vorräte aus dem Gemüsebeet sind schnell aufgebraucht und die Versorgung aus dem Garten ist im Winter eher eingeschränkt. Deshalb macht es Sinn, auch im Haus frisches Grün anzubauen. Ich möchte Dir heute zwei dieser vielen Möglichkeiten vorstellen, Essbares in den eigenen vier Wänden anzubauen. Damit präsentiere ich Dir sogar richtige Vitaminbomben: Microgreens und Sprossen.

In einem Anzuchtturm kann man gleich mehrere Sorten gleichzeitig anbauen.

Microgreens und Sprossen

Als ich zum ersten Mal auf diese Bezeichnung gestoßen bin, war ich etwas verwirrt. Was sollte das sein? „Microgreens“? Frei übersetzt heißt es „Kleines Grün“ und erklärt erst einmal nichts. Deshalb habe ich recherchiert und bin recht schnell fündig geworden. Natürlich ist diese Bezeichnung wieder einmal nur ein neuer Name für eine alte Methode. Letztlich geht es um die Herstellung von Keimlingen, wie ich es seit meiner Kindheit mit Kresse kenne. Diese werden auch als Grünkräuter bezeichnet. Damit wäre dieser Artikel schnell zu Ende geschrieben, wenn mich dieses Thema nicht doch noch überrascht hätte.

Bevor ich jedoch davon Berichte, muss ich erst einmal die Unterscheidung zwischen Microgreens und Sprossen erklären, denn da gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied. Microgreens wachsen auf einem Substrat und bilden ihre grünen Keimblätter aus. Kresse ist ein typischer Vertreter dieser Grünkräuter. Sprossen hingegen keimen in Behältern mit Wasser und werden in der Regel gegessen bevor die Keimblätter vollständig ausgebildet sind. Sie werden im ganzen, also mit der Wurzel gegessen. Bei den Microgreens ißt man den oberen grünen Teil. Soviel zur Unterscheidung, aber nun zu den Überraschungen!

Rettichkeimlinge auf dem Käsebrot.

Reichhaltige Inhaltsstoffe

Die erste Überraschung ist, dass Microgreens und Sprossen unglaublich gesund sind. Dabei ist es doch logisch, dass alles, was eine Pflanze zum heranwachsen braucht, in ihrem Samen steckt. Dort befindet sich eine unglaubliche Menge an Energie – zusammengepresst in den kleinen Hüllen. Mit „Energie“ sind beispielsweise Vitamine gemeint, wie Vitamin C, A und B. Auch Mineralstoffe sind reichlich vorhanden. Das können Eisen, Zink, Kalzium und andere sein. Und letztlich kommen sekundäre Pflanzenstoffe, Aminosäuren und Spurenelemente hinzu. Dies alles kann je nach Pflanze variieren, ist jedoch im Vergleich zu einem gleich großen Stück der ausgewachsenen Pflanze, um ein vielfaches höher. Also ein echtes Superfood!

Vielfalt an Samen

Die zweite Überraschung ist die große Vielfalt an Samen, die sich als Microgreens oder Sprossen eignen. Auf Kichererbsen und Linsen wäre ich nie gekommen. Und doch eignen sich auch diese zur Sprossenherstellung. Ich kenne bisher nur Kresse und Sojasprossen. Doch letztlich lässt sich vieles als Keimling nutzen, dass später auch als Gemüse oder Würzkraut auf den Tisch kommt. So findet man als Empfehlung Brokkoli, diverse Salatsorten, Radieschen, Bohnen, Senf, Kresse, Blumenkohl, Basilikum, Fenchel, Dill, und vieles mehr. Alles schmeckt so, wie es später als fertiges Gemüse munden würde. Meist sogar etwas intensiver.

Vielfalt im Anbau

Die nächste Überraschung sind die vielfältigen Anbaumöglichkeiten. Mittlerweile gibt es unzählige Ideen und auch fertige Vorrichtungen zur Keimherstellung. In Gärtnereien und Gartenmärkten sind die Regale voll davon. Unterschieden wird in die Herstellung von Microgreens und in die Herstellung von Sprossen:

Kresse durfte ich schon als Kind anbauen (Bild von pstiegele auf pixabay).

Die Herstellung von Microgreens nutzt Schalen zur Keimherstellung. Dabei werden die Samen auf Anzuchtplatten, Küchenpapier, Perlit, Watte oder Erde angebaut, die sich auf dem Schalenboden befinden. Es gibt professionelle Anzuchtschalen mit raffiniert ausgetüftelten Keimplatten, auf denen die Samen besonders gut wachsen. Aber es genügt auch eine einfache Schale aus dem Tafelgeschirr. Einige der professionellen Schalen haben sogar Anzuchtlichter integriert und sehen richtig stylisch aus. Hier wachsen die Keimlinge schön nach oben, wie wir es von der Kresse kennen. Als Pflegeaufwand muss regelmäßig gegossen und geschaut werden, dass sie weder zu nass, noch zu trocken stehen. Aus meiner Sicht eignet sich diese Methode vor allem für kleinere Sämereien.

Ein Butterbrot mit Kresse. Es schmeckt so lecker! (Bild von Pezibear auf Pixabay)

Die Herstellung von Sprossen nutzt Behälter, wie Gläser oder übereinander liegende durchsichtige Schalen zur Keimherstellung. Hier werden die Samen in die Gläser und Schalen gebracht und zwei bis drei Mal täglich gewässert. Die Samen stehen also mehrmals am Tag in Wasser und werden gespült. Damit wachsen die Keimlinge nicht unbedingt nach oben, da sie mit dem Spülvorgang immer wieder bewegt werden. Diese Art der Sprossengewinnung eignet sich vor allem für größere Samen, wie Bohnen, Linsen oder Kichererbsen. Hier wird im Anschluss der komplette Spross gegessen. Der Pflegeaufwand ist allerdings recht intensiv, da man mehrmals täglich die Samen und Keimlinge spülen muss. Sonst drohen sie zu schimmeln und dürfen nicht mehr verzehrt werden.

Hier wird täglich gewässert.

Verwendung der Keimlinge

Microgreens und Sprossen lassen sich vielseitig verwenden. In Salaten, Müslis, Smoothies, auf dem Brot oder als Topping für viele Speisen bringen sie eine weitere Geschmacksnuance auf den Tisch. Sie sollten besser ungekocht bleiben, damit die wichtigen Inhaltsstoffe nicht verloren gehen. Das tolle ist, dass sie in der Regel genau so schmecken, wie es die ausgewachsene Pflanze tun würde. So schmeckt der Brokkolikeimling auch wirklich nach Brokkoli, der Rettichkeimling nach Rettich und der Dillkeimling nach Dill. Damit kann problemlos der passende Geschmack zur passenden Speise ausgewählt werden.

Als Topping für eine leckere Suppe können sie auch verwendet werden (Bild von Lebemaja auf pixabay).

Vorsicht!

Es gibt jedoch auch Schattenseiten dieser Anbauart, die unter Umständen gefährlich für die Gesundheit werden können. Besonders der Sprossenanbau kann zu Schimmel- und Pilzbefall führen, wenn nicht hygienisch gearbeitet und regelmäßig gespült wird. Entdeckt man Schimmel, braune Flecken, werden die Keimlinge schmierig oder riechen sie unangenehm, sollten sie nicht mehr verzehrt werden. Auch die Keimvorrichtung sollte mit heißem Wasser und Spülmittel oder besser noch in der Spülmaschine gereinigt werden.

Zudem können Samen mit bedenklichen Mikroorganismen oder Schadstoffen belastet sein. Deshalb gibt es eigens für die Keimherstellung Samenmaterial, dass biologisch und hygienisch hergestellt und verarbeitet wird. Nur solche Samen sollten zur Keimherstellung Verwendung finden. In den Fachmärkten gibt es mittlerweile eine große Auswahl an Samenmaterial, dass eigens für Microgreens und Sprossen hergestellt wird.

Vielleicht habe ich Dir Lust auf etwas Grünes in der noch etwas trostlosen Winterzeit gemacht. Gerade dann, wenn im Garten nicht viel zu tun ist, macht es Spaß etwas im Haus heran zu ziehen. Und wenn es dann noch so lecker schmeckt, wie diese Keimlinge, hat man nicht nur die Freude am Grün, sondern gleich noch eine Abwechslung auf der Speisekarte.

Vielleicht hast Du auch schon Microgreens und Sprossen angebaut? Welche Keimlinge schmecken Dir besonders gut? Wie baust Du sie an? Ich freue mich über Rückmeldungen in den Kommentaren.

Liebe Grüße,

Dein Sven.

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Du kannst jetzt auch Kaltkeimer aussäen.

Hier findest Du einen Artikel zu Wintersalaten.

Das Titelbild ist von Pezibear auf Pixabay

2 Comments

  • Renate Zickenheimer

    Hihi, alte Bekannte, das habe ich schon vor 35 Jahren praktiziert, ich weiß garnicht, ob das damals im Internet schon Thema war, da ich zu dieser Zeit noch computerfreie Zone zuhause hatte. Aber eines hast Du geschafft, lieber Sven. Ich habe jetzt Hunger bekommen. Mahlzeit! Und Dir einen schönen Sonntag. LG Wurzerl

  • Alex

    Hallo Seven,

    sehr schöner Artikel der nicht nur hungrig macht :-). Ich habe auch schon Kresse angebaut aber so richtig schön ist die nicht geworden. Ich denke da hat das Klima in meinem selbstgebauten Zimmergewächshaus nicht ganz gepasst. Den Anzuchtturm den du oben im Artikel hast sieht gut aus. Was ist das für ein Modell bzw. Hersteller?

    Grüne Grüße

    Alex

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