Privatgärten,  Über Stock und Stein

Ein Stadtgarten der Harmonie und Stille

Nicht einsichtig von außen. Mal wild von Sträuchern umgeben, mal formal von einer Eibenhecke geschützt, präsentiert sich dieser Stadtgarten seinen Besuchern. Er macht neugierig auf das, was sich hinter dem Grün verbirgt. Von außen offenbaren sich wenige Einsichten auf ein Stadthaus. Es präsentiert sich sorgfältig renoviert, in Weiß gehalten und hier und da mit Beige veredelt. Nur eine Seitenansicht des Hauses, kann vom Eingang her überblickt werden. Dort wächst eine zart gelbe Kletterrose die Hauswand empor und verbindet sich so mit der Architektur des Hauses.

Hier fühlt man sich sofort willkommen.

Den Stadtgarten betritt man durch ein kleines Gartentor, dass eher schlicht in einem sanften Grün-Gelbton gehalten ist. Kalksteinmäuerchen bilden das Eingangsportal und bieten auf ihren Schultern Platz für saisonale Dekorationselemente. In den darauf befindlichen Blumenarrangements, tritt der Ziertabak besonders hervor. Seine Blütenfarbe findet sich im Farbton des Eingangstores wieder. Hier zeigt sich bereits das Grundprinzip dieses Gartens. Eine sorgfältig und liebevoll abgestimmte Auswahl an Farben, Formen und Materialien. Alles passt zueinander, geht ineinander über und verschmilzt letztlich in einem harmonischen Gesamtkonzept. Das ist es, das diesen Garten so besonders macht.

Überall findet man kunstvolle, floristische Arrangements

Durchschreitet man das Gartentor auf patinierten Pflastersteinen, begegnet man wieder dem harmonischen Farbkonzept in Form der Balkonkästen. Von hier aus hat man die Wahl. Entscheidet man sich nach rechts zu gehen, verlockt ein kleiner Weg unter Büschen, Bäumen und Formgehölzen zu einer Entdeckungsreise ins Unterholz. Entscheidet man sich nach links zu gehen, öffnet sich der Garten und versteckt sich doch wieder hinter einer Vielzahl an Beeten, Bäumen, Sträuchern und Stauden. Beide Seiten zeigen hier bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das, was sie beherbergen und geben doch nicht viel davon preis. Sie steigern eher das Gefühl der Neugierde, machen Lust auf Entdeckung und aktivieren alle Sinne. Jetzt will man es sehen, jetzt will man los und die „weißen Flecken“ dieses Gartens enthüllen.

Das kleine Birkenwäldchen

Der Weg nach rechts ist gesäumt von schützenden Sträuchern, die bogig ihre Äste über den Weg spannen. Ein Dach aus Blättern und Ästen verspricht Schutz vor der Außenwelt. Wie Wächter ins Ungewisse, säumen Buchskugeln den Zugang zu dem verwunschenen Ort, der sich hinter einer Biegung des Weges offenbaren wird. Wenige Stauden säumen den Weg.

Hier bekommt man Lust auf Entdeckungsreise zu gehen.

Der Blick um die Ecke versetzt den Besucher in Erstaunen. Ein Wäldchen aus jungen Birken zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Zu ihren Füßen findet man hauptsächlich Farne, Gräser, Salomonsiegel und Hosta Funkien. Ein fabelhaftes Beispiel für einen Schattengarten. Lerchensporn füllt hier und da die Ritzen des Pflasters. Ihm wird man auf der Entdeckungsreise immer wieder begegnen. Er ist ein besonderer Alleskönner und findet sich an Stellen, die sonst nicht so leicht begrünt werden wollen.

Im kleinen Wäldchen findet man ein Gefühl der inneren Ruhe und Entspannung. In diesem Gartenraum wirkt alles harmonisch und beruhigend. Von der Bank aus lassen sich bequem kleine Kunstwerke auf Holzsockeln betrachten. Zwischen den Bäumen findet sich ein kleines Stillleben: Wasser in einer Metallschale spiegelt die Wipfel der Bäume wider und beinhaltet einen mit Moos bewachsenen Stein. Ganz entspannt betrachtet eine skulpturale Frauenfigur das Arrangement. Der Weg endet an einer Treppe, die in die Küche des Hauses führt.

Beruhigend wirkt dieses Stillleben.

Neugierig auf das was sich auf der anderen Seite des Hauses befindet, verlässt man nur ungern die einladende Bank. Fast möchte man noch bleiben. Weiter die Entspannung zelebrieren und die Ruhe des Waldgärtchens genießen. Doch die Neugier auf die anderen Gartenbereiche lässt noch nicht ruhen. Es geht zurück, aus dem geschützten Blätterdach und wieder vorbei an den Buchswächtern. Hier wird der Besucher von Sonnenstrahlen empfangen. Sie wärmen die Haut und lassen die Rosen an der Hauswand duften.

Der große Gartenraum

Geht man am Gartentor vorbei, erblickt man zwei runde Pflanzkübel, die die Ecken von Beeten säumen. Sie nehmen den Beetkanten die Schärfe und wirken, als hätte die Natur sie selbst geschaffen. Wie zufällig aneinander gelegte Lehmstücke ummanteln sie mit ihrer runden Form Zierklee. Das Blattwerk des Klees mutet wie eine zartere Version der Lehmstücke an und verbindet das Gefäß mit dem Grün. Im Hintergrund, etwas entfernter vom Haus, nehmen Buchskugeln die runde Form der Töpfe erneut auf. Hier zeigt sich, dass wiederkehrende Elemente dem Auge wohl gefallen.

So kommen auch die Pflanztöpfe zur Geltung.

Geradeaus, in der Flucht ist ein Stuhl zu erkennen. Anmutungen von Ästen finden sich in Lehne und Sitzfläche wieder. Ein quadratisches Wasserbassin fällt auf, über dem sich ein großer Kranz aus Ranken geziert mit Schneckenhäusern befindet. Genau dort sind quadratisch geschnittene Bäume zu erkennen, die den Garten weiter oben vor der Außenwelt schützen und zudem einen Teil der Grundstruktur des Gartens bilden. Weiter unten sind es eine wilde Hecke und ein hölzerner Sichtschutz, die als Blickfang zur Straße dienen. Nichts soll das Gartengrün stören, dass sich gleich in Gänze eröffnet.

So geschützt sitzt man gerne.

Die Grundstruktur dieses Gartenbereichs besteht aus Formschnittgehölzen, Bäumen und Sträuchern. Zwei Hauptwege führen in den Garten. Der eine nimmt ein paar Stufen zur Haustür empor und eröffnet ein kleines Plätzchen zum Empfang der Gäste. Der andere führt ins Herzstück des Gartens und schafft Zugang zu weiteren Gartenbereichen, wie dem Wintergarten oder dem Carport. Zielstrebig führt dieser Weg den Besucher zu einem Sitzplatz. Hier vereinen sich die Hauptwege wieder. Wege und Plätze im unteren Gartenbereich bestehen hauptsächlich aus Kies. Das Knirschen beim Gehen macht damit den Garten akustisch erlebbar. Hierdurch wird eine natürlich anmutende Wirkung erzeugt.

Die Wege führen immer zu interessanten Blickpunkten.
Der Weg zum Hauseingang verzaubert.

Klein wachsende Bäume und Sträucher schützen diesen Gartenbereich vor den Einblicken von außen. Sie spenden Schatten und grenzen ab. Ein kleiner Wohlfühlort, der Sicherheit und Ruhe vom eher hektischen Alltag des Kleinstädtchens bietet, umhüllt den Besucher mit seinem entspannenden grünen Charme. Neben dem vielen Grün verzaubern hauptsächlich Blumen in Gelb und Weiß. Klar ausgewählte Blütenfarben sorgen neben den Blättern für ein harmonisches Gesamtbild. Die wohltuende Wirkung des Grüns und der Farbharmonie auf die menschliche Seele ist an diesem Ort besonders gut zu spüren. Dabei spielt es keine Rolle, an welchem der verschiedenen Sitzplätze man sich niederlässt. Überall gibt es etwas zu sehen, zu bestaunen.

Blick vom Carport auf Haus und Garten.

Dort ein Formschnittgehölz – am Haus rechteckig geschnitten, weiter entfernt als Kugel. Ganz hinten ein Monolith aus gebranntem Ton, der zwischen mehrstämmigen Bäumen, wie ein mythischer Altar anmutet und sich bei genauerer Betrachtung als aussagekräftige moderne Kunst entpuppt. Zwischen den Stämmen eines Haselnussstrauches befindet sich ein riesiges Nest aus Weide. Alles Kunst und Kunsthandwerk, dass sich an der Natur und deren Ursprünglichkeit orientiert, sich daraus speist und sich letztlich wieder mit ihr vereint. Kein Wagnis, sondern eine Weiterführung, bis ins Detail. Alles verbindet sich zu einem einzigartigen Gesamterlebnis.

Kunst spielt in diesem Garten eine große Rolle.
Blick vom Haus in Richtung Carport.

Das Gesamtergebnis im Blick

Auch Wasser, als beruhigendes und lebhaftes Element, hat in diesem Garten seinen Platz gefunden. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Behältnis es beherbergt wird. In Stein- oder Betonschalen, in einem Metallkubus oder in einem traditionellen Steinbrunnen, überall entfaltet das kühle Nass seine Wirkung. Ein leichtes blubbern lässt das Wasser lebendig werden und ist doch so zart, dass es nicht erregt, sondern wieder zur Ruhe kommen lässt. Die beruhigende Wirkung von Wasser auf den menschlichen Organismus ist bereits in mehreren wissenschaftlichen Studien bestätigt worden und sollte deshalb in keinem Garten fehlen.

Traumhafte Wasserarrangements findet man an verschiedenen Stellen.

Jeder Garten muss die Wünsche und die verschiedenen Nutzungszwecke seiner Besitzer berücksichtigen. In der Regel braucht ein Garten Raum für Feste und andere gesellige Zusammenkünfte. Ein Garten ist damit auch ein wichtiger Sozialraum und muss flexibel auf die sich verändernden sozialen Ansprüche eingehen können. Auch dies erfüllt dieses Kleinod. Sowohl in einer geselligen Runde, als auch allein, findet sich immer ein geeigneter Platz. Die variable Schiebetür zum versteckten Carport, lässt sogar größere Feste zu und auch der angrenzende Wintergarten beherbergt gekonnt eine größere Anzahl von Besuchern. Durch die verschiedenen Sitzgelegenheiten in beiden Gartenbereichen gelingt es dem Besucher spielend, für sich zu sein, oder der Gemeinsamkeit zu frönen.

Eine Einladung an diesen Platz würde man nicht ausschlagen.

Wenn es nicht der eigene Garten ist, wird es immer irgendwann Zeit „Lebe Wohl“ zu sagen. Beim Verlassen des Gartens spürt man deutlich, dass Körper und Seele wieder erfrischt und gestärkt sind. Die wohltuende Wirkung des Grüns, des Wassers und der Ruhe haben dafür gesorgt, dass man wieder erholt in den hektischen Alltag starten kann. Wenn ein Garten auch diese Bedürfnisse erfüllt, hat er all seine Fähigkeiten entfaltet und ist nicht einfach nur Schmuck oder Statussymbol, sondern der schützende Rahmen und die Seele eines Hauses.

Alles wirkt als harmonische Einheit.

Ich hoffe, Dir hat der Rundgang durch diesen wunderbaren Garten gefallen. Gerne höre ich in den Kommentaren von Dir. Was gefällt Dir an diesem Garten? Verwendest Du ähnliche Elemente oder Strukturen in Deinem Garten? Was würdest Du in Deinen Garten übernehmen?

Liebe Grüße,

Dein Sven.

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Weiterführende Links (Werbung ohne Gegenwert):

Dieser Garten gehört der Familie Bergles, die in der Gartenbaufirma Bergles & Schauer wunderbare Gärten schafft. Ich bedanke mich dafür, dass ich einen Einblick in dieses grandiose Gartenreich bekommen und einen schönen Nachmittag mit der Familie verbringen durfte.

Hier geht es zu den Erschaffern dieses Gartens.

Dieser Garten wurde ebenfalls von Bergles und Schauer konzipiert und erstellt.

4 Comments

  • Marion

    Eine spannende, moderne grüne Oase. Gut vor Einblicken geschützt entstehen hier ganz unterschiedliche intime Gartenzimmer. Am meisten haben mich die vielen Wasserstellen begeistert und inspiriert! Mindestens eine zusätzliche wird es bei und nächstes Jahr auch geben.

  • Lisbeths Haveblog

    What an absolutely lovely garden. And very good pictures and describtion too.
    I like that it’s green with coordinating color harmonies. I like small trees, the many chairs and the fact that you can’t see it all from one place. Things I prioritise in my own little city garden.
    Is it a garden that one can visit? (In Denmark a lot of private gardens open from time to time. Mine too 🙂 )
    Regards Lisbeth

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