Mit Schaufel und Harke,  Pflege,  Tipps & Tricks

Jetzt geht’s um Kopf und Kragen!

„Totes köpfen“. Ich traue es mir fast nicht zu sagen, aber hierbei handelt es sich um meine Lieblingsbeschäftigung im Garten. Jedes Frühjahr, bis in den Herbst hinein, werde ich zum Henker.

Aber vielleicht muss ich an dieser Stelle etwas sagen: Nein, es fließt kein Blut und es wird auch keine Axt geschwungen. Beim „dead heading“ – wie der Brite sich vornehm ausdrückt, handelt es sich lediglich um die Gartenpraxis, verblühtes abzuschneiden. Die „toten“ Blüten zu „köpfen“!

Der Griff zur Schere vollbringt wahre Wunder im Garten.

Das Ganze macht viel Sinn, denn wer möchte, dass seine Staude weiter blüht, muß auf Henkersfüßen wandeln. Das Abschneiden des Verwelkten fördert das Nachwachsen weiterer schöner Blüten.

Warum ist das so?

Wenn man sich überlegt, was der Sinn und Zweck einer Blüte ist, dann ist das der Fortbestand: Die Blüte soll bestäubt werden, so dass die Pflanze Samen bilden kann und dann weitere Nachkommen daraus entstehen.

Unterbindet man, durch das Abschneiden der Blüte, die Samenbildung, hat die Pflanze ihren Sinn und Zweck der Fortpflanzung noch nicht erfüllt und wird alles daran setzen, neue Blüten und damit hoffentlich Samen zu bilden.

Aber nicht jede Pflanze lässt sich so animieren weitere Blüten zu bilden. Besonders gut gelingt dies bei Einjährigen.

Einjährige Pflanzen haben nur eine Vegetationsperiode, dass heisst, in einem Jahr vollzieht sich der gesamte Lebenszyklus der Pflanze. Vom Sämling baut sie sich auf, bildet Blüten und Samen und stirbt schließlich ab.

Sie haben also nur eine Saison Zeit sich zu vermehren. Damit ist der Vermehrungsdruck sehr groß und das Dead-Heading lohnt sich besonders. Diese Pflanzen müssen unbedingt Samen bilden und werden nach dem Abschneiden der Blüten noch intensiver zur Blütenbildung angeregt. Ein Beispiel hierfür ist die „Jungfer im Grünen“, die Ende August zur Samenreife kommt und dann abstirbt. Aber auch andere einjährige Pflanzen, wie die Kapuzinerkresse, die Cosmea oder die Wicke lassen sich auf diese Art und Weise zu mehr Blüten anregen.

Die „Jungfer im Grünen“ ist eine Einjährige die in keinem Garten fehlen sollte.

Als Einjährige werden auch die Pflanzen bezeichnet, die aufgrund unserer kalten und nassen Winter absterben, in ihrem Herkunftsland jedoch mehrjährig sind. Die exakte Bezeichnung lautet Einjährig gezogene, da sie bei uns jedes Jahr aufs Neue herangezogen werden müssen. Ein Beispiel hierfür sind unsere Pelargonien. Diese Pflanzen könnte man also in einem beheizten Gewächshaus oder in einem kühlen Raum überwintern. Meist macht man sich diese Mühe aber nicht. Auch bei diesen Pflanzen lohnt sich das Dead-Heading.

Pelargonien blühen üppiger, wenn man Verblühtes entfernt.

Zweijährige Pflanzen überdauern zwei Vegetationsperioden, also zwei Jahre.

Im ersten Jahr bilden sie Wurzeln und Blätter aus und sammeln Kraft für die Blüte, die erst im zweiten Jahr nach einem Kälteimpuls (Winter) erscheint. Nach der Blüte bzw. Samenbildung sterben diese Pflanzen ab. Durch das Dead-Heading schafft man es manchmal, dass sie noch ein weiteres Jahr blühen, da der Auftrag der Samenbildung noch nicht erledigt wurde. Gelungen ist mir dies beim Fingerhut, dem Rittersporn und der Stockrose. Manchmal setzen sie auch im gleichen Jahr noch eine weniger imposante Nachblüte an. Hier muss man also etwas experimentieren.

Der Fingerhut hat eine zweijährige Vegetationsperiode.

Ausdauernde Pflanzen überleben mehr als zwei Vegetationsperioden und blühen jedes Jahr wieder aufs Neue.

Hier ist der Druck der Samenbildung nicht ganz so hoch. Deshalb verhalten sich die ausdauernden Pflanzen auch sehr unterschiedlich auf das Dead-Heading. Bei den Akeleien – zum Beispiel – werden weitere Blüten gebildet. Bei den Sterndolden, dem Steppensalbei oder der Katzenminze gibt es, bei einem starken Rückschnitt nach der Blüte, eine Nachblüte, die fast so üppig ausfällt, wie die erste. Diese bildet sich ein bis zwei Monate später. Andere Stauden kümmern sich gar nicht um eine Nachblüte oder weitere Blüten, da sie im nächsten Jahr sowieso wieder blühen und sich ihre Kräfte dafür aufsparen.

Dead-Heading: Nicht, wenn die Samenbildung als dekoratives Element genutzt werden soll.

So sehen Echinacea, Rudbekia oder der Wasserdost auch im Winter noch gut aus, wenn sich Raureif und Schnee über die Samenstände legen. Außerdem sind sie auch Überwinterungsquartier für unsere heimische Insektenwelt und sollten allein deshalb stehen gelassen werden. Hier sollte abgewägt werden, was bei welcher Pflanze oder welchem Standort mehr Sinn macht. Vielleicht testest Du einfach mal Deine Stauden oder überlegst Dir, was für Dich das wichtigere Ergebnis ist.

Wenn man die Samenstände stehen lässt, wirkt der Garten auch im Winter interessant.

Besonders Nutz bringend ist das Abschneiden bei Blumenzwiebeln und Rhizomen.

Damit diese im nächsten Jahr wieder blühen, darf die Kraft nicht in die Samenbildung, sondern muss zurück in die Zwiebel oder das Rhizom. Dead-Heading ist angesagt! Sobald die Blüte vergeht, sollte man diese abbrechen oder abschneiden. So bleibt die Kraft in der Pflanze und geht zurück in die Zwiebel und Knolle.

Narzisse „Mount Hood“ verzaubert im Frühjahr den Garten.

Aber auch hier kann der Samenstand, zum Beispiel vom Zierlauch, noch Monate dekorativ im Beet wirken.

In den meisten Fällen gilt jedoch: Kopf ab und die Gabe einer ausreichenden Menge Naturdünger, damit die Pracht im Garten länger hält.

Vielleicht schreibst Du in die Kommentare, bei welchen Pflanzen das Dead-Heading sinnvoll ist? Bei welchen macht es aus Deiner Sicht keinen Sinn? Ich freue mich schon auf Deine Erfahrungen.

Liebe Grüße,

Dein Sven

8 Comments

  • Anita

    Hallo Sven,
    Deine Seite zu bewundern ist wie ein Garten Buch aufschlagen und darin blättern ich bin sehr beeindruckt. Die Leidenschaft und Liebe aus deinen Bildern und Texten nimmt mich mit ins Gartenparadies wo die Schöpfung die schönsten kunstwerke hervorbringt. Weiter so 🌞 es grüßt dich herzlich Anita 🌼

  • Wolfgang Nießen

    Hallo Sven,
    wir schneiden verblühtes auch immer runter, sofern es sich nicht um Samenstände handelt, die für Insekten und Co. wertvoll sind. Aber als Henker haben wir uns noch nicht gesehen. Aber eine gute Idee für den Post.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

    • Sven

      Hallo Wolfgang,
      danke für Deinen Kommentar. Ich hoffe, ich mache niemand wirklich zum Henker…😉 Aber ein bisschen schnippeln muss schon sein. Schön, dass Du erwähnst, dass auch etwas für den Winter übrig bleiben soll, an dem sich unsere Tierwelt laben kann. Das mache ich natürlich auch. Ich schneide vorrangig Sommerblumen, die im Herbst wieder verschwinden. Die meisten Stauden dürfen Samen bilden und bleiben auch über den Winter stehen. Das muss auch noch erwähnt sein. Danke, dass Du daran gedacht hast. Schön, wenn gemeinsam Wissen entsteht.
      Liebe Grüße,
      Sven.

  • Renate Zickenheimer

    Soll ich jetzt behaupten, dass ich Pazifist bin (dooooch bin ich) oder soll ich zugeben, dass ich ein fauler Gärtner bin (dooooch bin ich). Ich habe ehrlich immer die besten Vorsätze, aber auch fantastische Ausreden. Ich brauche gerade von der Pflanze Samen, es gibt doch soooooo viele Blüten an den Balkonien-Grazien, was soll ich da anfangen zu schnippeln. Also ganz ehrlich, köpfen, ganz schlecht für mich. Ich liebe den Chelsea Chop zum besseren modulieren und bestimmen, wann was blüht und dann einen Remontierschnitt bei Stauden, wo ich auch weiß, es lohnt sich. Aber Deine Beschreibung ist so schlüssig und richtig, vielleicht sollte ich mir doch noch ein Henkerbeil zulegen und die Köpfe rollen lassen. Schönes Wochenende und LG Wurzerl

    • Sven

      Liebe Renate,
      Du hast schon Recht! Ein paar Samen sollten auch übrig bleiben. Natürlich behalte ich das im Auge. Schließlich wird es erst richtig interessant, wenn sich wundersam hier und da etwas auftut. Trotzdem soll es lange blühen… Ich denke, um den guten Mittelweg kommt man zumindest bei Sommerblumen kaum herum. Vielen Dank für Deinen wunderbaren Kommentar. Ich liebe Deinen Schreibstil! Deshalb lege ich jeder Leserin und jedem Leser den Blog von Renate ans Herz: Wurzelsgarten.de
      Liebe Grüße,
      Sven.

      • Renate Zickenheimer

        Oh, vielen Dank für Dein Kompliment, das ist sehr nett. Übrigens, meine Überlegungen für „Dead-Heading“ haben sich für dieses Jahr erledigt. Ein Monsun mit Bäumen und einer Regenwand quer und anschließendem Hagel vom feinsten haben meinen Garten total geschreddert. Leider hat das Wetter Deinen Appell zum „Dead-Heading“ irgendwie falsch verstanden, denn gerade 2 Tage davor begann bei mir die verspätete Rosenblüte und ich saß eben beim Schreiben einer Mail, um einen Fototermin mit einer Fotografin fix zu machen, als es passierte. Es ist alles zerstört – aber alle meine Tierfreunde leben. Bereits 5 Minuten nach dem Hagelende saß schon das Rotkehlchen-Junge auf der Terrasse und ließ sich füttern, gleiches weitere 5 Minuten später mit Star- und Amsel-Familie, also alles gut. Die Natur wirds Richten, ich warte jetzt auf die Nachblüte, die Du mir hier versprochen hast, wenn die Blüten weg sind. Leider sind teilweise die Pflanzen weg, aber was solls. Jetzt bin ich mit meinem aktuellen Post nach England gehopst und meinen Juni-Rückblick gibt es halt aus aktuellem Anlass erst nächste Woche. Hoffe, Ihr und Euer Garten bleibt von Unwettern verschont.
        LG Wurzerl

  • Lisbeths Haveblog

    Great idea for a post – and as always beautiful photos.
    I deadhead mostly the samme way as you do. I am particularly fond of Digitalis and I too can often get them to bloom again the next year because I cut them back.
    I have been told by a garden designer that you can bring lupines to flower the whole summer (and not just a few weeks) i you deadhead, but it is crusial important that you cut the flowerstem before the last centimeters of flowers in the top bloom. I have not tried myself as I do not grow lupines. (They are too big for my small garden.)
    Best regards, Lisbeth

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