Schattengarten,  Unser Garten

Das zweite Jahr im Schattengarten

Manchmal bin ich einfach betriebsblind. Ich erlebe meinen Garten tagtäglich und deshalb fällt mir oft auf, was nicht so schön wächst oder an welcher Stelle etwas verändert werden muss. Die Schönheit des Gartens bemerke ich teilweise erst, wenn ich im Winter die Bilder des letzten Jahres sichte. Besonders der Schattengarten war in meiner Wahrnehmung nicht so gelungen. Wenn ich jedoch die Bilder betrachte, muss ich stark an meiner Wahrnehmung zweifeln.

Deshalb habe ich mich dazu entschieden, den Schattengarten über das Jahr hinweg zu dokumentieren. Im zweiten Jahr zeigte sich die Bepflanzung schon viel üppiger. Ich musste sogar das eine oder andere mit der Schere im Zaum halten, damit noch genug Luft und Licht an die anderen Pflanzen kommen konnte. Aber das gehört zum Sommer! Jetzt beginne ich erst einmal chronologisch mit dem Winter. Letzten Winter hatten wir immer wieder Schnee. Durchaus auch größere Mengen. So wurde der Schattengarten in ein weißes Gewand gekleidet. Die immergrüne Wolfsmilch sorgt dabei für Struktur. Genauso, wie die Skelette der Stauden.

Diese habe ich gegen Mitte Februar abgeschnitten und die Beete gut mit Kompost gemulcht. Kompost ist der beste Dünger und eine Schicht von ein paar Zentimetern lässt den Garten schön und ordentlich aussehen. Auch Unkraut hat dann keine Chance, da die Samen nun nicht mehr von der Sonne wach geküsst werden. Da zu dieser Jahreszeit nichts im Schattengarten blüht, habe ich ein paar Christrosen zwischen die noch nicht ausgetriebenen Astrantien gesetzt. So wirkt das Beet gleich viel ansehnlicher.

Gegen April nimmt der Garten dann immer mehr fahrt auf. Die Tulpen fangen an zu blühen, der Kugellauch streckt langsam seine Blütenstiele mit prall gefüllten Knospen in die Höhe und die ersten Stauden zeigen zarte Farbspiele. Zu dieser Zeit wirkt alles frisch und grün. Der Frühling ist in vollem Gange und man beginnt langsam zu erahnen, dass die Beete recht üppig werden können. Die Farbe Weiß sticht zu dieser Jahreszeit besonders hervor.

Meine Lieblinge des Frühjahrs wachsen dann quer durch alle Beete. Ich liebe Akeleien. Vor allem die Weißen oder zart Pastellfarbenen sind meine Favoriten. Einige Pflänzchen sind aus Samen gezogen, die ich aus England geschickt bekommen habe. Dort hatte Carrie die nationale Sammlung dieser Schönheiten, die jedoch durch einen Virus zerstört wurden. Mein Glück war, dass ich zwei Jahre vor der Katastrophe meine Samen erstanden hatte. So blühen überall im Garten Akeleien, aber nur im Schattengarten in diesen zarten Farben.

Ende April steht dann auch der Zierlauch in voller Blüte und begleitet die Rosenkugeln, die den Taschentuchbaum säumen. Um ihn herum ist alles im Kreis angeordnet. Dies ist ein separater Bereich des Schattengartens. Der andere Bereich säumt den Weg und den kleinen Platz mit den weißen Klappstühlen. Jeder Teil beherbergt unterschiedliche Pflanzen. So sind die beiden Teile optisch voneinander abgegrenzt, was zukünftig durch weitere Veränderungen verstärkt werden soll.

Besonders schön sind die Pfingstrosen, die sich direkt am Zaun befinden und dort Sonne tanken können. Sie blühen mit einer unglaublichen Opulenz und verströmen einen nicht minder verführerischen Duft. Schützend bereitet die Eselsdistel ihre silbrigen Blätter über die Schönheiten. So kann niemand den Blüten etwas antun. Ich habe mir nicht getraut ein paar der Blüten für die Vase zu schneiden. Im folgenden Jahr, wenn es noch mehr Blüten gibt, bin ich vielleicht mutiger.

Dafür gab es mehrere Duft-Wicken-Sträuße. Damit die Wicken den ganzen Sommer über blühen, dürfen sie nicht zur Samenreife kommen. Deshalb ist es sogar notwendig permanent Blüten zu schneiden. So blühen sie noch üppiger und produzieren einen Strauß nach dem anderen. Bisher hatte ich nur Staudenwicken im Garten. Sie sind auch schön, aber nichts gegen ihre duftenden Schwestern. Deshalb sind wieder Samen gekauft, die demnächst getopft werden.

Der besondere Hingucker 2021 war auf jeden Fall eine Armee von Eselsdisteln, die meinen Schattengarten und den Rosengarten schmückten. Je weiter der Sommer voranschritt, umso höher wurden sie. Irgendwann haben sie mich um Weiten überragt. Kaum zu glauben, dass dieses Gewächs fast drei Meter groß wurde. Eine imposante Zweijährige, die so manchen Spaziergänger zu einem Foto hinreißen ließ. Das große silberne Blattwerk und die krakelige Anatomie bringen die wichtige Struktur in den Schattengarten.

Der frühe Sommer ist zudem bestimmt von Waldgaisbart, Sterndolde und den ersten, noch grünlichen Blüten der Hortensie „Annabelle“. Sie ist das verbindende Element des Vorgartens und wiederholt sich immer wieder. Durch den Zaun hat sich der Muskatellersalbei gestohlen. Er begrüßt die Vorbeigehenden und lockt sogar die Holzbiene in den Garten. Als Leibspeise der großen, schwarzen Wildbiene, darf er nicht fehlen und hat bereits einen festen Platz im Vorgarten.

Je weiter der Sommer voranschreitet, umso größer und weißer werden die Blüten der Ballhortensie. Jetzt wird sie von einer zart gelben Taglilie und dem pastellfarbenen Bärenklau begleitet. Er blüht das erste Mal, obwohl es ihn seit dem Gartenumbau gibt. Es ist bekannt, dass er etwas Zeit zum Eingewöhnen braucht. Manchmal dauert es Jahre bis er zu blühen beginnt. Mit seinen schwertartigen Blüten, sticht er aus dem Grün heraus und verschafft dem Pflanzarrangement mehr Höhe.

Am Zaun haben sich ein paar Sonnenhüte ausgesät. Vor dem Gartenumbau waren sie in einer großen Anzahl im Vorgarten zu finden. Sie sind meine Favoriten des Sommers. Besonders die Sorte „Alba“ hat es mir angetan. Am besten wachsen sie, wenn sie sich selbst ausgesät haben. Getopfte Ware will nicht immer so gut anwachsen und verliert sich auch manchmal zwischen den Stauden. Sie sind einfach Sonnenanbeter und brauchen viel Licht.

Ich werde oft gefragt, was das für schöne Körbe in meinen Beeten sind. Das sind Bambusglocken, die Jungpflanzen vor dem Zertretenwerden schützen. Bei mir haben sie allerdings eine andere Funktion. Sie füllen Beetlücken, damit das Beet immer opulent und vollgepflanzt aussieht. Hier habe ich beispielsweise meine Sterndolden bodennah zurückgeschnitten. Das mache ich direkt nach der Blüte, damit sie noch ein zweites mal blühen. Die nackte Erde ist nicht so schön anzusehen. Die Lücke wird dann mit den Glocken ausgefüllt und schon sieht es wieder ordentlich aus.

Eigentlich blühen die Dahlien im sonnigen Bereich des Schattengartens bereits schon im Sommer um die Wette. Im zweiten Jahr war allerdings alles etwas anders. Durch den vielen Regen gab es eine Schneckeninvasion und kaum überlebende Dahlien. Den Rest habe ich im frühen Herbst zusammen gepflanzt und dann kamen doch noch ein paar Blüten zusammen. Rosa und Lila in Pastell waren dabei die Hauptfarben. Die Dahlien mit kräftigeren Farben sind alle verspeist. Nächstes Jahr esse ich meine Dahlien lieber selber, denn die Blüten und Knollen sind durchaus eßbar. Ich muss allerdings erst noch testen, ob sie zukünftig auf meinem Speiseplan stehen dürfen.

Wenn der Herbst voranschreitet, wird alles über Nacht in ein kräftiges Gelb getaucht. Viele der Stauden und Gehölze färben ihre Blätter in Gelb. Das sieht wunderschön aus, vor allem, wenn das dunkle Grün der Wolfsmilch immer wieder das gelbe Farbspiel unterbricht. Ich bin immer wieder überrascht, wie gut die Herbstfärbung der Stauden in diesem Teil des Gartens miteinander harmoniert. Und das obwohl ich bei der Planung gar nicht daran gedacht habe.

Und dann naht der Winter. Kurz vor dem ersten Advent wird auch der Garten weihnachtlich dekoriert. Metallsterne, Holzelemente und Glaskugeln sind dabei 2021 zum Einsatz gekommen. Farblich war es auf Schwarz, Grau und Silber reduziert. Und natürlich war auch das Braun von Tannenzapfen, Rinde und Samenständen eine wiederkehrende Farbe. Ich mag es gerne natürlich und versuche möglichst wenig künstliche Materialen zu verwenden.

Natürlich dürfen Lichter zur Weihnachtszeit nicht fehlen. Drei neue Laternen fanden ihren Platz in den Beeten des Schattengartens. Zudem platzierte ich noch einige Lichterketten entlang des Zauns, um die Bambusglocken und um den Rosenobelisk herum. So funkelte es in die Adventszeit hinein. Besonders schön sah der Gartenraum im Schneekleid aus. Rechtzeitig für die Adventszeit schneite es den Garten leicht zu.

Der Kreis schließt sich nun wieder. Was im Schnee begann, endet dort auch wieder. Mittlerweile ist die Weihnachtsdekoration wieder eingemottet und wartet darauf, in elf Monaten wieder zum Einsatz zu kommen. Ich kann mich wieder auf andere Dinge besinnen und genieße die Zeit im Haus. Doch es juckt schon wieder in den Fingern. Die neue Gartensaison beginnt.

Gibt es etwas, dass Du mit mir und den anderen Leserinnen und Lesern teilen möchtest? Wie gefällt Dir der Schattengarten im zweiten Jahr nach dem Umbau? War ich wirklich Betriebsblind, oder hast Du noch Ideen für Verbesserungen? Ich freue mich riesig über einen Kommentar am Ende dieses Artikels.

Auf das neue Gartenjahr!!!

Dein Sven

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Hier findest Du noch mehr Wissenswertes über den Schattengarten.

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