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Gartentipps bei großer Hitze

Ich werde oft gefragt, wie ich es schaffe, dass mein Garten noch so grün aussieht – trotz der lang anhaltenden Hitzewelle. Temperaturen um die dreißig Grad und der fehlende Regen machen es vielen der Gartenpflanzen schwer. Blätter hängen oder werden von der sengenden Sonne verbrannt. Die eine oder andere Staude hat sogar ganz aufgegeben und ist vertrocknet. Auch das erlebe ich in meinem Garten. Im Gegensatz dazu ist vieles noch grün und ansehnlich. Damit auch Dein Garten bei großer Hitze möglichst lange attraktiv bleibt, zeige ich Dir, was ich in meinem Garten mache.

Beschattete Bereiche bleiben länger frisch.

Mulchen

Ich mulche in meinem Garten sehr viel. Dazu nutze ich die unterschiedlichsten Materialien. Im Frühjahr nehme ich beispielsweise eine dicke Schicht Kompost, die auf den Beeten verteilt wird. So wird der Boden vitalisiert und als Nebeneffekt vor der Austrocknung geschützt. Die starke Hitze verliert so bereits an Schrecken und die Pflanzen danken es mit einem üppigen Wachstum. Nichts anderes passiert in der Natur. Pflanzenteile fallen zu Boden und werden dann zu wertvollem Humus. Dieser schützt den Boden und wird irgendwann zu seinem Bestandteil.

Im Frühjahr kommt eine dicke Schicht Kompost auf die Beete.

Später im Jahr, wenn durch die dichte Bepflanzung in den Beeten kein Boden mehr zu sehen ist, werden Gartenabfälle, also Schnittgut, als Mulch auf den Boden gebracht. Überall zwischen den Pflanzen liegen dann abgeschnittene Stängel, Blüten oder Blätter meiner Stauden. Auch Rasenschnitt ist möglich. Das nennt man horizontales Kompostieren und hat ebenfalls den Effekt vor zu schneller Austrocknung zu schützen.

Im Sommer wird direkt unter den Stauden kompostiert.

Nicht immer reichen meine selbst hergestellten Mulchmaterialien aus. Dann besorge ich mir den Mulch aus dem Baumarkt oder bestelle im Netz. Dort gibt es mittlerweile eine gute Auswahl an verschiedensten Materialien: Miscatus-Mulch, (verrotteter) Rindenmulch, Bodenverbesserer, Kompost, Schafwolle, Splitt und vieles mehr. Allerdings haben alle Mulchsorten ihre Vor- und Nachteile und sollten im Vorfeld daraufhin überprüft werden, ob sie den jeweiligen Pflanzen im Beet auch gut tun. Es gibt sogar Pflanzen, die keinen Mulch mögen. Das sind meist solche, die gut mit Hitze umgehen können. Diese sind es gewohnt in kargen und trockenen Böden zu leben und der Mulch würde zu viel Nährstoffe in den Boden bringen. Das schadet solchen Pflanzen.

Dichte Bepflanzung

Meine Beete sind sehr dicht bepflanzt. In der Regel sogar so dicht, dass man den Boden nicht mehr sehen kann. Das hat den Vorteil, dass die Sonnenstrahlen den Boden nicht erreichen können und er deshalb viel langsamer austrocknet, als „freie“ Erde. Die Natur macht es uns vor: Schnell werden Brachflächen von Pflanzen erobert. Erst sind es hitzeresistente Pflanzen, die irgendwann von ersten Büschen und Bäumen abgelöst werden. Diese beschatten mit der Zeit die Fläche und bieten damit anderen Pflanzen Lebensraum. Die Fläche wird immer dichter begrünt, bis letztlich ein Wald entsteht.

Bei dieser dichten Bepflanzung bleibt die Erde beschattet.

Das dichte Bepflanzen hat noch weitere Vorteile: Die Beete sind viel üppiger und Blütenreicher, was gerade für Insekten eine Wohltat ist. So haben sie mehr Futter und Nistmöglichkeiten. Zudem wirkt ein üppiges Beet viel imposanter und erfreut den Gartenbesitzer ebenso, wie seine Besucher. Damit wäre auch der Optik genüge getan. Und letztlich schützt diese Art der Bepflanzung vor zu starkem Unkrautwuchs. Unkräuter bekommen so kaum Licht und gehen nur schwerlich auf oder mickern beim Wachsen.

Schatten

In meinem Garten wird kein Bereich über Stunden von der Sonne versengt. Es entstehen immer kleine Schattenphasen, die den Pflanzen den Hitzestress für kurze Zeit nehmen. Schatten spenden beispielsweise Bäume und Sträucher, aber auch unser Haus beschattet immer wieder einzelne Gartenbereiche. Das ist ein hilfreicher Umstand, den ich zukünftig noch weiter ausbauen werde. So bekommt unsere Terrasse irgendwann eine Überdachung, die Bäume und Sträucher werden größer und an der einen oder anderen Stelle werden noch Rankgitter und Pergolen entstehen, die ebenfalls mit Hilfe von Kletterpflanzen beschatten sollen.

Irgendwo ist immer Schatten.

Wer große Bäume im Garten hat oder gerne Waldspaziergänge macht, weiß wovon die Rede ist. Unter Bäumen herrscht immer ein besonderes Klima, dass durch keinen Schirm ersetzt werden kann. Deshalb halte ich mich selbst auch gerne in unserem Senkgarten auf, denn dort beschatten Dachplatanen einen kleinen Platz, der von Beeten umrandet ist. So profitieren Mensch und Pflanze gleichermaßen von den knorrigen Gesellen. Aber auch hier muss man aufpassen. Nicht alle Bäume vertragen lange und heftige Hitzewellen. Deshalb sollte man sich vor dem Pflanzen beim Fachmann informieren lassen.

Hitzetraining

Damit Deine Pflanzen viele Hitzetage ohne Gießwasser überstehen, braucht es tiefe Wurzeln. Je weiter sie in den Boden hinein ragen, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit an Wasser zu kommen und umso länger schaffen sie es ohne Wasser von oben. Damit dies gelingt, sollte bereits beim Pflanzen direkt in das Pflanzloch gegossen werden. Dann ist hauptsächlich der Boden des Pflanzlochs gut gewässert und nicht so sehr die Erde drum herum. In diesem Fall strecken sich die Wurzeln automatisch in die feuchte Tiefe.

Direkt in die Erde gießen und nicht auf die Pflanzen.

Bekommen die Pflanzen kein Wasser von oben, wachsen die Wurzeln auf der Suche nach feuchten Erdschichten immer weiter nach unten. Deshalb sollte man erst gießen, wenn man merkt, dass die Pflanzen kurz vor dem Eingehen sind. Erst wenn sie am morgen mehr als deutlich die Blätter und Stengel hängen lassen oder die Blätter beginnen gelb oder braun zu werden, wird sehr großzügig gegossen. So werden die pflanzen trainiert, tief gehende Wurzeln zu bilden und brauchen damit immer seltener Wasser über die Gießkanne oder den Schlauch.

Gießen

Das richtige Gießen hilft Wasser zu sparen und trainiert die Pflanzen größere Hitzeperioden zu überstehen. So ist das Hitzetraining bereits ein Teil des richtigen Gießens: Gegossen wird erst, wenn am Morgen alle Blätter und Stängel nach unten hängen. Der Morgen ist zudem zum Gießen am Besten geeignet. Dann ist der Boden ausgekühlt und es verdunstet nicht so viel des Wassers, wie am Mittag oder am frühen Abend. Auch geeignet ist der späte Abend oder die Nacht. Auf jeden Fall nach zwanzig Uhr, dann ist der Boden bereits etwas abgekühlt.

Richtig gießen ist bei dieser Hitze besonders wichtig!

Gegossen wird auf den Boden und nicht auf die Pflanze. Auch das würde dazu führen, dass zu viel Wasser verdunstet. Gießt man direkt auf den Boden, kommt das Wasser auch da an, wo es hin soll: an die Wurzeln. Damit das Wasser jedoch nicht nur die oberen Zentimeter der Erde befeuchtet, sondern auch weiter in den Boden dringen kann, sollte man lieber seltener, dafür aber durchdringend gießen. Das bedeutet, dass eine große Menge Wasser in den Boden muss. Nur so kommt es auch in tiefere Erdschichten. Gießt man zu wenig Wasser, würde man das Wurzelwachstum an der Oberfläche fördern und nicht in der Tiefe. Genau das Gegenteil von dem, was man erreichen möchte.

Pflanzen

Geht man mit offenen Augen durch unsere Natur, entdeckt man nicht nur Pflanzen, die bei großer Hitze leiden, sondern auch Pflanzen die gut mit der Hitze zurecht kommen. Es gibt eine große Auswahl an heimischen als auch an gezüchteten Bäumen, Sträuchern und Stauden, die wunderbar die Hitzeperioden überstehen. Solche Pflanzen müssen nun vermehrt in unsere Gärten gesetzt werden. Hierzu habe ich bereits einen Blogpost geschrieben, den ich am Ende dieses Artikels verlinke. Dort findest Du Staudenempfehlungen für Deine Beete, die selbst bei großer Hitze noch gut aussehen.

Hitzeresistente Pflanzen kommen mit wenig Wasser aus.

Pflanzenauswahl

Bei der Pflanzenauswahl muss besonders darauf geachtet werden, ob der geplante Standort auch zur Pflanze passt. Die Pflanze muß also nicht nur Hitzeresistent sein, sondern auch den Boden des Bestimmungsortes mögen, die Sonnenstunden müssen passen, genauso wie Niederschlagsmenge, die Bodenfeuchtigkeit und die umgebenden Pflanzen. Je schwieriger die Lebensbedingungen durch Hitze werden, umso gründlicher muß auf alle Parameter geachtet werden. Wenn alles passt, ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass Hitzeperioden und andere Wetterkapriolen gut überstanden werden.

Deshalb empfehle ich Dir die Bedingungen des Standorts im Voraus zu bestimmen und damit auf die Suche nach einer standortgerechten Pflanze zu gehen. Die Fachleute in den Gärtnereien beraten in den meisten Fällen sehr gut, aber auch Fachbücher oder das Internet halten Pflanzenbeschreibungen bereit, die schnell heraus finden lassen, ob Pflanze und Standort zueinander passen.

Boden

Viele der trockenheitsliebenden Pflanzen brauchen brauchen einen durchlässigen, eher sandigen Boden, damit keine Staunässe entsteht und genügend Luft an die Wurzeln kommen kann. Stehen sie in lehmigem Boden, ist die Gefahr des Verfaulens der Wurzeln extrem groß, denn Lehm speichert Wasser. Besonders in nassen Wintern kann das zum Problem werden. Dann ist im Frühjahr das Beet mit den hitzeresistenten Pflanzen ein Trümmerfeld. Deshalb sollte gut darauf geachtet werden, dass die Bodenbeschaffenheit auch zur Pflanze passt.

Ist dies nicht der Fall, muss der Boden entsprechend aufgearbeitet werden. Lehm kann gut mit Sand, Splitt und Kompost durchlässiger gemacht werden. Diese Materialien sollten mindestens sechzig Zentimeter tief in den Boden eingearbeitet werden, damit auch tiefer liegende Wurzeln, aber mindestens das Herzstück der Pflanze keine Staunässe abbekommen. Eine weitere Möglichkeit ist ein Gemisch aus Humus, Sand, und Splitt einige Zentimeter dick auf dem Boden aufzubringen, ohne es einzuarbeiten. In dieser Schicht werden dann die Pflanzen gesetzt. So befindet sich das empfindliche Herzstück immer im gut wasserdurchlässigen Bereich und tiefer gehende Wurzeln finden die Feuchtigkeit im darunter liegenden Lehm.

Aber nicht nur die Art des Bodens ist ausschlaggebend für die Wasseraufnahme und die Wasserspeicherung, sondern auch die Beschaffenheit der Oberfläche. Trocknet der Boden aus, ist es gerade bei lehmhaltigen Böden schwierig, Wasser in den Boden zu bringen. Der lehmige Boden wird durch das Austrocknen steinhart und nimmt nichts mehr auf. Deshalb ist es besonders bei dieser Bodenart ratsam, die Erde mit einer Harke oder einem Sauzahn an der Oberfläche aufzureißen. Dann gelangt das Wasser wieder leichter in die Erde hinein.

Schönheitsmaßnahmen

Zwar raten Fachleute eher davon ab, vertrocknete Stängel oder Blätter der Pflanzen abzuschneiden, da sie einen zusätzlichen Beschattungseffekt vor der Sonne bieten, aber ich finde es schöner, wenn das Braun aus dem Grün herausgenommen wird. Deshalb entferne ich regelmäßig alles was verdorrt oder abgestorben ist. Pflanzen die ganz eingegangen sind werden ebenfalls heraus genommen und durch hitzeresistente Pflanzen oder durch Dekorationselemente ersetzt. Allerdings muss Dekoration nicht gegossen werden, im Gegensatz zu neu gesetzten Pflanzen. Deshalb ist Ersteres bei großer Hitze eher zu empfehlen. Im Herbst oder Frühjahr kann dann Ersatz gepflanzt werden.

Die Schere ist immer griffbereit!

Wenn man diese Tipps berücksichtigt, bleibt der Garten in Hitzeperioden länger grün. Allerdings habe ich Anfang und Ende Juli meine Beete jeweils ein Mal gut gewässert. Sonst wäre sicherlich an der einen oder anderen Stelle noch mehr kaputt gegangen. Ich bin dabei ganz im Sinne des Hitzetrainings vorgegangen. Damit ich das zukünftig nicht mehr machen muss, werden in den nächsten Jahren einige Stauden mit großem Durst aus dem Garten verschwinden und durch hitzeresistente Stauden ersetzt werden. Mein Herz blutet, wenn ich daran denke. Deshalb wird dieser Prozess auch noch etwas andauern. Abschiede brauchen Zeit!

Hast Du noch weitere Tipps für extreme Hitzeperioden? Lass uns von Deinen Erfahrungen profitieren und schreibe sie unten in die Kommentare. Ich freue mich über jede Rückmeldung.

Herzliche Grüße,

Dein Sven.


Weiterführende Links (Werbung ohne Gegenwert):

Hier findest Du 10 geniale Stauden für den Klimawandel.

Weitere Pflegetipps findest Du in dieser Rubrik.

2 Comments

  • Renate Zickenheimer

    Lieber Sven, Du hast im Grunde alles richtig beschrieben. Mir graut auch vor der nötigen Veränderung. Aber es ist der einzige Weg, dass wir nicht andauernd mit dem Schlauch nach draußen schielen. Einen Tipp vielleicht noch, wenn irgend möglich, nicht am Abend oder später gießen, damit bereitest Du nur den Schnecken ein gemütliches Schlitterweglein mitten in die Lieblingsstauden. Am Morgen, wenn es dann bald heiß wird, lassen sie sich nicht unbedingt auf den Regenschauerdeal ein.
    Noch ein Hitzetipp, es gibt dieses Jahr viele Wespen. Einfach mit einer kleinen Wasserpistole besprühen, dann denken sie es regnet und fliegen zurück in ihren Bau. Wünsche Dir eine gute Woche. LG Wurzerl

    • Sven

      Liebe Renate,

      Du bist einfach ein wandelndes Gartenlexikon und für mich die fleißigste Gartenerzählerin, die ich kenne. Gartenerzählerin? Ja, das finde ich den richtigen Ausdruck. Alles was Du schreibst, ob einen Deiner Blogartikel, einen Kommentar auf meiner Seite, oder einfach einen Post in den sozialen Medien, es ist immer interessant, spannend und gespickt mit hilfreichen Tipps. Deshalb vielen Dank für all Deine Beiträge auf meinem Blog. Du bist einfach nicht mehr wegzudenken aus meinem Gartenalltag.

      Liebe Grüße,

      Sven.

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