Mit Schaufel und Harke,  Tipps & Tricks

Staudenpflege

Mein Garten besteht überwiegend aus Stauden. Ich liebe sie, da sie das Gartenbild im laufe des Jahres immer wieder verändern. Im Grunde genommen sind Stauden gegenüber den zwei- und einjährigen Pflanzen pflegeleicht, da sie immer wieder von selbst austreiben. Trotzdem brauchen sie ein Mindestmaß an Pflege.

Staudenbeet im „Museum der Gartenkultur“.

Ein Garten ist ein von Menschen geschaffener Ort. Er ist künstlich und kann der Natur höchstens angelehnt werden. Würde man ihn sich selbst überlassen, hätte man irgendwann einen Urwald. Zudem sind viele der Gartenpflanzen nicht heimisch oder durch Züchtung verändert, so dass ein Großteil dieser Pflanzen den Menschen und dessen Pflege braucht, um zu überleben.

An dieser Stelle möchte ich Dir zeigen, was ich bei der Staudenpflege über das Jahr hinweg mache, damit meine Pflanzen und Beete bestmöglich aussehen. Nicht jede der Stauden braucht jeden diese Pflegeschritte. Je weniger sie braucht, umso pflegeleichter ist sie.

Staudenbeet in „Anni´s Garten“.

Frühjahr:

Rückschnitt

Ich lasse einige der abgestorbenen Pflanzenteile über den Winter hinweg stehen. Bei Frost sehen sie klasse aus und bieten zudem Unterschlupf für viele heimische Insekten. Bevor der Neuaustrieb kommt, schneide ich die alten Pflanzenteile ab und gebe sie auf den Kompost. Sie haben damit ihren Zweck erfüllt.

Mulchen

Jedes Frühjahr leere ich meinen Komposthaufen und bringe den Kompost auf meinen Beeten aus. Dies geschieht meist, bevor die ersten Zwiebelblüher zur Blüte kommen, also im Februar. Damit werden die Pflanzen gedüngt und das Bodenleben auf Vordermann gebracht. Ein Eingraben ist nicht notwendig und sollte sogar unterlassen werden, da ansonsten die Bodenorganismen gestört werden. Sie holen sich alles was sie brauchen von selbst. Bei mediterranen Pflanzen, wie zum Beispiel vielen unserer Kräuter braucht es diesen Schritt nicht. Das wäre zu viel des Guten. Sie wollen es eher karg und zeigen nur dann ihre volle Pracht.

Staudenbeet in der Staudengärtnerei Gaissmayer (Illertissen).

Düngen

Manche der Stauden brauchen für ihre Blütenpracht noch mehr Energie und müssen im Frühjahr zusätzlich gedüngt werden. Hier hilft das Ausbringen eines organischen Düngers, wie Hornmehl oder Rinderdungpellets. Oder gleich gut abgelagerter Pferde- oder Rindermist. Man muss sehr gut aufpassen, dass man nicht zu viel in den Boden bringt, sondern nach Anleitung vorgeht. Sonst kann es der Pflanze und dem Boden schaden und diese verbrennen.

Teilen

Im Frühjahr hat man die Möglichkeit Pflanzen zu teilen. Man teilt Stauden dann, wenn sie so schnell wachsen, dass sie die umliegenden Stauden ersticken würden oder wenn sie verjüngt werden müssen. Das ist dann der Fall, wenn die nach außen wachsende Staude im inneren verkahlt oder nicht mehr richtig blühen will. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, sie auszugraben und den Wurzelballen in mehrere Teile zu schneiden. Ein Teilstück kommt zurück in das Beet. Die anderen können an eine weitere Stelle gesetzt oder verschenkt werden.

Nachsetzen

Manche Stauden sind nicht sehr standorttreu und verschwinden nach ein bis zwei Jahren wieder. Das kann daran liegen, dass sie nicht am richtigen Ort gepflanzt wurden und nicht mit den vorherrschenden Bedingungen zurecht kommen. Vielleicht waren sie auch krank oder wurden von irgendwelchen Tieren abgefressen. Dann muss nachgesetzt werden. Entweder mit der gleichen Pflanze – in der Hoffnung, dass es diesmal klappt – oder mit einer besser geeigneten Staude. Dies kann gut im Frühjahr gemacht werden.

Strukturschnitt

Bei Stauden, die zum Um- oder Auseinanderfallen neigen, bieten sich zum späten Frühjahr (Mai/Juni) ein Strukturschnitt (Chelsea-Cut) an. Es werden dann die äußeren Stiele um ein Drittel oder die Hälfte gekürzt. Dies hat zur Folge, dass sich die Pflanze weiter verzweigt und sich selbst mehr Halt geben kann. Die Pflanze kann aber auch insgesamt etwas zurückgeschnitten werden, dann gibt es noch mehr Verzweigungen. Nicht jede Staude verträgt diesen Schnitt. Bei wenigen lässt sich so die Standfestigkeit verbessern oder die Blüte zu einem späteren Zeitpunkt hinaus zögern.

Beet mit Sonnenhut in der Staudengärtnerei Gaissmayer.

Sommer:

Stäben

Mache Stauden brauchen etwas Hilfe. Sie neigen dazu umzufallen oder vom Wind umgeweht zu werden. Hat man ein großes Staudenbeet, dann kann man Pflanzen, die einen besseren Stand haben, drum herum pflanzen. Diese stützen dann die weniger Standfesten. Oder man stäbt die Pflanzen und gibt ihnen damit mehr halt. Dies kann durch vorgefertigte Metall- oder Holzstützen, durch Bambusstäbe oder durch Zweige, die noch vom Baumschnitt übrig sind, gemacht werden. Am besten ist es, wenn man die Stützen schon anbringt, wenn die Pflanze noch im Wachstum ist, dann kann sie locker in die Stütze hineinwachsen und es sieht am Ende nicht „zusammengebunden“ aus.

Ausputzen

Bei einigen Stauden lohnt es sich, das Verblühte regelmäßig heraus zu schneiden. Da die Blüte nicht zur Samenreife gelangt, muss die Pflanze weitere Knospen produzieren. So kann die Blütenpracht auf einen längeren Zeitraum ausgedehnt werden. Im Sommer heisst es deshalb fast täglich: „Totes köpfen„. Aber Vorsicht! Nicht bei jeder Staude ist das möglich und manchmal macht es Sinn, Samenstände stehen zu lassen.

Blick durch das Double Border in „Wallerstein Gardens“.

Rückschnitt

Auch im Sommer kann ein Rückschnitt sinnvoll sein. Nämlich dann, wenn die Staude ihren Lebenszyklus zum Sommer hin beendet hat, oder wenn durch einen Rückschnitt ein zweiter Blütenflor angeregt werden kann. Manche Stauden blühen noch einmal nach, wenn man sie nach der Blüte bodennah zurück schneidet.

Düngen

Ganz hungrige Stauden brauchen im Sommer noch ein zweites Mal Dünger. Auch hier sollte man nur organisch düngen und die Anleitung beachten. Viele der Stauden brauchen im Sommer allerdings keine Düngung mehr.

Vorgarten vor der Renovierung.

Wässern

Wenn eine Pflanze an dem Standort wächst, an dem sie es in der Natur tun würde, braucht es in der Regel wenig Pflege. Da wir in unseren Gärten oft Pflanzen kultivieren, die nie an diesem Standort wachsen würden, braucht es mehr Pflege und oft auch mehr Wasser. Zudem wird es durch den Klimawandel und die heißen Sommer immer schwieriger unsere Stauden mit genug Wasser zu versorgen. So verbringen wir immer mehr Zeit mit wässern. Es ist deshalb sinnvoll, dass wir Stauden pflanzen, die sich in unserer veränderten Welt wohl fühlen und damit weniger Pflege und Wasser brauchen.

Bändigen

Manche Stauden sind so kräftig und wuchsfreudig, dass sie andere weniger stark wachsende Pflanzen schnell ersticken oder überwuchern würden. Vor allem zu Anfang des Sommers muss dann zur Schere gegriffen werden. Manche der Stauden müssen an den Seiten begrenzt und gekürzt werden. Ansonsten haben andere Schönheiten keine Chance im Beet.

Staudenbeet in „Wallerstein Gardens“

Herbst:

Rückschnitt

Der Herbst ist traditionell die Zeit des Rückschnitts. Die meisten Stauden ziehen in dieser Zeit ihre Energie aus den oberirdisch wachsenden Pflanzenteilen hinab in die Wurzeln. Alles was man noch sehen kann ist braun, zerfallen und tot. Heute weiß man jedoch, dass es wichtig ist, diese Teile bis zum Frühjahr stehen zu lassen, damit Insekten darin überwintern können. So findet der Rückschnitt nur noch teilweise im Herbst statt. Ich mache das bei Stauden, die von Pilzbefall bedroht sind, oder so schleimig werden würden, dass sie im Frühjahr nur schwer entfernt werden können.

Ausputzen

Auch im Herbst sollte man, solange es geht, Blüten ausputzen. Dann kann man manchmal den Blütenflor bis Ende November erhalten. Sobald der Frost einzieht, braucht es das nicht mehr. Dann kommen die letzten Arbeiten im Staudenbeet.

Ein Beet in gelb und orange (Museum der Gartenkultur).

Nachsetzen

Für viele Stauden ist das Nachsetzen im Herbst besonders günstig, sofern sie nicht frostempfindlich sind. Dann haben sie über den Winter genug Zeit einzuwachsen und kommen im nächsten Frühjahr umso besser mit der neuen Umgebung zurecht. Sie können dann gleich durchstarten. Im Grunde genommen ist es die beste Pflanzzeit für die meisten der Stauden.

Teilen

Auch für das Teilen ist dies die beste Zeit. Wie im Frühjahr beschrieben, sollten Stauden, die zu stark gewuchert sind und Stauden, die eine Erneuerung brauchen, jetzt geteilt und neu gesetzt werden. Auch sie können in der Ruhephase des Winters gut einwachsen und im nächsten Jahr neu durchstarten. Dann sieht im Frühjahr das Staudenbeet schneller schön aus.

Stauden in unserem Double Border.

Winter:

Rückschnitt

Im Winter muss im Staudenbeet im Grunde genommen nichts getan werden. Die Stauden sind in der Winterruhe und wollen auch nicht gestört werden. Sollten jedoch rein optisch Samenstände durch den Winter unansehnlich werden oder umkippen, kann man diese auch im Winter abschneiden. Der Naturgärtner lässt sie im Beet liegen.

Frostschutz

Viele der Stauden, die bei uns im Handel angeboten werden, sind gut winterhart. Es gibt aber auch frostempfindliche Stauden, die einen Winterschutz benötigen und vor Frost geschützt werden müssen. Am Besten gelingt dies mit einer dicken Schicht Kompost, Laub oder Rindenmulch. Wer Laub wählt, sollte es mit Reisig vor dem verwehen schützen.

Unser Schattengarten im Winter.

Es gibt also viel zu tun, wenn man für die Stauden das Beste erreichen möchte. Mir macht das Meiste davon viel Spaß, so dass es nicht den negativen Stellenwert von „Arbeit“ einnimmt. Bei der Auswahl der Stauden sollte jedoch darauf geachtet werden, dass es die richtige Staude für den vorherrschenden Standort ist. Dann kann man sich einiges an Arbeit und Zeit sparen und sich auf Schöneres konzentrieren.

Viel Spaß mit Deinen Stauden wünscht Dir,

Sven.

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