Mit Schaufel und Harke,  Tipps & Tricks

Natürlich Wild – Wir retten die Welt!

Gepflegte Gärten kommen immer mehr aus der Mode. Natürlich und Divers sind die Schlagworte unserer Zeit. Und das mit Recht! Durch die stetige Verbauung der natürlichen Lebensräume verschwinden immer mehr Pflanzen und Tiere. Hier muß Abhilfe geschaffen werden. Und wer soll damit beginnen, wenn nicht wir? Immerhin gibt es 17 Millionen Gärten in Deutschland, die mit wenig kleinen Veränderungen die Biodiversität deutlich steigern könnten. Mittlerweile findet man viele wunderbare Beispiele dafür, dass ein Naturgarten nicht häßlich, sondern durchaus attraktiv und modern gestaltet werden kann. Auch wenn ich nicht im eigentlichen Sinne einen Naturgarten habe, zeige ich Dir nun, was ich in meinem Garten mache, um die Artenvielfalt zu steigern.

Wildblumen

Im Kräuter- und Gemüsegarten habe ich dieses Jahr viele heimische Pflanzen in meine Wege gesetzt. An den Wegrändern blühen nun Pflanzen, die man auch in freier Natur finden kann. Hierzu gehören die Schafgarbe, der Echte Eibisch, die Brennessel, der Natternkopf, der Blutweiderich, der Wiesensalbei, der Gute Heinrich und viele mehr. Damit möchte ich noch mehr Insekten in meinen Garten locken. Die Pflanzen sind Nahrung für viele dieser kleinen wuseligen Tiere. Sowohl der Nektar, als auch die Pflanzen selbst, sind perfekte Sattmacher. Sind erst einmal viele dieser Insekten eingezogen, vermehren sich auch solche, die von ihren Artgenossen leben, also Schädlinge fressen.

Neu gepflanzte Wildstauden im Kräuter- und Gemüsegarten.

Mischkultur

Das der Kräuter- und Gemüsegarten mit Wildblumen bestückt wurde ist sowohl für den Gemüseanbau, als auch für die Tier- und Pflanzenwelt ein echter Gewinn. Die Vielfalt wird gesteigert und damit die Wahrscheinlichkeit der Bestäubung des Gemüses. Zudem werden Plagen, wie sie oft bei Monokulturen zu finden sind, durch die Artenvielfalt reguliert. Vermehren sich die Schädlinge, vermehren sich auch die Nützlinge. So entsteht eine natürliche Regulierung und ein Eingreifen durch den Mensch wird immer weniger Notwendig. Man spart sich viel Zeit und Geld.

Kräuter, Gemüse und Stauden wachsen gemeinsam in diesem Gartenraum.

Samenfestes Saatgut

Wer samenfestes Saatgut verwendet, also solches aus dessen Samen wieder Pflanzen mit den selben Eigenschaften entstehen, kommt nicht umhin ein paar der Gemüsepflanzen blühen lassen. So können Samen für das nächste Gartenjahr gewonnen werden. Dabei entstehen Nektarquellen für Insekten, die sonst nicht entstanden wären. Das schöne ist, man spart auch noch viel Geld, da man vorgezogene Pflanzen oder das jährlich neu gekaufte Saatgut von Hybriden nicht mehr benötigt. Auch ich werde zum Ende des Jahres die eine oder andere Gemüsepflanze blühen lassen. Den Anfang macht jetzt schon der Spinat.

Bald blüht der Spinat.

Weg mit dem Rasen

Ich muß gestehen, ich finde einen schön gemähten Rasen, umgeben von üppigen Staudenbeeten, einfach herrlich. Allerdings ist ein Rasen nicht sehr hilfreich in Sachen Biodiversität. Der Trend geht auch hier zur Wiese – gerne mit gemähten Wegen und Plätzen. Das ist für die Natur weitaus besser, denn es entsteht eine größere Vielfalt an Pflanzen und damit Lebensraum und Nahrung für alle möglichen Tiere. In meinem Garten gibt es schon lange keinen Rasen mehr. Dafür habe ich üppig blühende Staudenbeete, die ähnlich einer Wiese mit der Fauna korrespondieren. Viele verschiedene Pflanzen und Blütenformen und viel Platz zum Verstecken werden so der Tierwelt dargeboten. Seit der Garten fast ausschließlich aus Staudenbeeten besteht, hat sich die Vielfalt immens gesteigert.

Ein Staudenbeet mit vielen verschiedenen Nektarlieferanten.

Blüten, Blüten, Blüten

Aufgrund der vielen Staudenbeete blüht es das ganze Jahr hindurch. Das ist für Insekten sehr wichtig. Je nach Witterung fliegen sie bereits schon im Februar. Deshalb sollte früh im Jahr ein Blütenangebot im Garten zu finden sein. Eine Vielzahl an Frühlingsblühern, die vor allem in Form von Blumenzwiebeln zu finden sind, sind deshalb unabdingbar. Um eine breite Blütenvielfalt kreieren zu können, sollte man bei der Auswahl der Pflanzen auch auf heimische Arten zurückgreifen. Viele Insekten sind auf bestimmte Blütenformen spezialisiert. Dolden, Kelche, Lippen, Trichter und wie sie alle heißen sollten überall im Garten anzutreffen sein.

Ein Beet mit vielen Blütenformen. Hier ist für mehrere Insekten etwas dabei.

Ungefüllte Blüten

Ich liebe die kuscheligen Blüten von gefüllten Rosen oder gefüllten Pfingstrosen. Darauf muss man nicht verzichten, wenn genug ungefüllte Blüten vorhanden sind. Die meisten Pflanzen in meinem Garten blühen ungefüllt und bieten so den Insekten einen ungehinderten Zugang zum Nektar. Wer es besonders gut meint, kann natürlich alle gefüllten Blüten durch ungefüllte ersetzen. Rosen, Pfingstrosen, Dahlien gibt es in einer großen Zahl und für jeden Geschmack in vielen ungefüllten Varianten. Ich pflanze zwischen meine gefüllten Rosen viele Stauden. Vor allem auch das Patagonische Eisenkraut, das mit seinen Blüten als Insektenmagnet über den Rosen tänzelt.

Das Patagonische Eisenkraut überragt die gefüllten Rosen.

Wasser im Garten

Tiere brauchen Wasser um überleben zu können. Deshalb sammle ich an verschieden Stellen im Garten Wasser mit kleinen Gefäßen. Bei Regen füllen sie sich und bieten auch noch ein paar Tage nach dem Regen Wasser für Insekten und andere Tiere. Zudem habe ich einen Miniteich angelegt. Mit Wasserpflanzen und Steinen bestückt sieht das ganze nicht nur attraktiv aus, sondern wird von den Tieren als Wassertränke oder als Badeplatz genutzt. Unsere Amseln lieben es auf dem Stein im Miniteich zu sitzen und zu baden. Noch besser ist ein Teich mit Uferzone, damit die Tiere gut ans Wasser kommen, ohne zu ertrinken. Aus diesem Grund sollte in größeren Gefäßen immer ein Stück Holz, ein Stein oder Wasserpflanzen arrangiert sein, an dem sich Tiere, die hineingefallen sind, wieder heraus retten können.

Ein Stein und Wasserpflanzen bieten für Tiere die Möglichkeit gefahrlos an das Wasser zu kommen.

Staudenrückschnitt im Frühjahr

Ich lasse die Staudenskelette im Herbst fast vollständig stehen. Nur an wenigen Stellen entferne ich sie aus optischen Gründen. Damit finden Vögel im Winter Samen als Nahrungsquelle und Insekten Verstecke und Überwinterungsquartiere. Die Vielfalt bleibt so über den Winter im Gleichgewicht und auch im nächsten Jahr weiter bestehen. Erst wenn im Frühjahr die Stauden austreiben, greife ich zur Schere. Im Idealfall lässt man das kleingeschnittene Pflanzmaterial gleich im Beet als Mulch liegen. So kommt es zu guter Letzt auch den Pflanzen zu Gute.

Im Winter schmückt der Schnee die Staudenskelette.

Ein zu Hause bieten

Es ist wichtig, Lebensräume für die verschiedensten Tiere im Garten zu schaffen. Da es nicht immer möglich ist, auf natürlichem Wege Lebensraum zu schaffen, gibt es Abhilfe mit menschlich hergestellten Alternativen, wie Insektenhotels, Vogelhäuschen, Igelburgen, usw. Ich habe schon seit ein paar Jahren ein kleines Insektenhotel, dass nun langsam aber sicher erneuert und vergrößert werden muss. Im Herbst oder im nächsten Frühjahr werde ich mich auf die Suche nach einem neuen Insektenhotel und weiteren künstlichen Lebensräumen für Tiere in meinem Garten machen.

Hier finden Vögel ein geschütztes zu Hause für ihren Nachwuchs.

Keine Gifte

Ich habe aufgehört Pflanzenschutzmittel im Garten zu verwenden. Leider tötet man oft nicht nur die Schädlinge, sondern auch die nützlichen Insekten, was den Garten weiter anfällig für Plagen macht. Ich habe gemerkt, dass die Läuse, die im Frühjahr gerne an mal an meinen Rosen knabbern, schnell wieder verschwinden, wenn Nützlinge wie Marienkäfer oder Meisen Einzug in den Garten halten. Spätestens im Juli ist dann nichts mehr von den Läusen zu sehen. Ein gesunder Garten reguliert sich von selbst. Sollte dennoch etwas an einer Pflanze überhand nehmen, versuche ich durch ungiftige Hausmittel entgegen zu steuern. Im Fall von den Läusen, spritze ich sie mit dem Schlauch ab oder besprühe sie mit einem Wasser-Schmierseifen-Gemisch. Das ist völlig ausreichend.

In einem gesunden Garten erledigt die Natur das Problem mit den Läusen.

Letztlich sollten wir bei Problemen im Garten immer erst einmal schauen, wie die Natur solche Probleme löst. Sie hält uns die Antwort tagtäglich unter Augen. Oft sind wir nur zu blind, um sie zu sehen und vertrauen leeren Werbeversprechen mehr, als dem natürlichen Instinkt. Vielleicht schaffen wir es die Welt ein bisschen besser zu machen. Dafür müssen wir unsere Gärten nicht komplett umkrempeln. Wenige kleine Schritte in vielen Gärten bringt für das Erste genug. Und das tolle daran ist, dass wir bei den meisten Ideen viel Zeit und Geld sparen. Eine absolute Win-Win-Situation!

Was machst Du in Deinem Garten, um mehr Vielfalt zu schaffen? Gibt es besondere Tiere oder besondere Pflanzen in Deinem Garten? Über Deine Tipps und Inspirationen freue ich mich sehr. Schreib sie einfach in die Kommentare, dann können auch andere davon profitieren.

Jetzt gehe ich mal die Welt retten. Bis bald,

Dein Sven.

5 Comments

  • Renate Zickenheimer

    Hallo lieber Weltretter, Du machst alles richtig, (oder ich mache auch alles falsch, lach). Würdest Du in Bayern leben, dann stünde ich morgen bei Dir als „Naturzertifizierer“ auf der Matte und würde Dir Urkunde und Schild für einen hervorragend geführten „naturzertifizierten Garten“ überreichen. Ich finde es schade, dass diese Aktion, die in Österreich und Bayern schon seit längerem läuft, nicht in ganz Deutschland etabliert wird. Denn tatsächlich darf man die Gesamtfläche an Privatgärten nicht unterschätzen. Wer soll denn für die Biotope der Wildtiere sorgen – die Autobahngesellschaften tun es nicht. Der Staat mit den Ausgleichsflächen kaum. Aber wir können und wir tun! Du wolltest noch weitere Tipps haben. Es geht ja schon wieder das Geschrei und der sinnlose Kampf gegen den Buchsbaum-Zünsler los. Ich kenne das Problem nicht – den Zünsler schon – und seine Raupen kennen auch meine Meisen und Spatzen, weil ich sie ganzjährig füttere und ab Frühling die getrockneten Mehlwürmer aus dem Futterhäuschen direkt auf die Buxe wandern. Ich bin übrigens auch ein Rasenfan wie Du – es ist halt die einzige Fläche, auf der das Auge mal ausruhen kann. Aber wenn man einen Naturgarten hat, sieht dieses grüne Etwas nach allem aus, bloß nicht nach Rasen. Jetzt bin ich am Überlegen nur einen Mähring zu lassen, dort die ganzen Frühlingsgeophyten hineinzupacken und den Innenbereich als Sandbeetinsel mit integriertem Sandarium zu gestalten. Die Pflanzliste habe ich schon erstellt (die reicht allerdings für 1000 qm, lach, da muss ich noch selektieren), mal schauen, wann ich reif für den „Sandkasten“ bin. Wünsche Dir eine gute Zeit. LG Wurzerl

  • Anne

    Hallo Sven, das mit den Blattläusen sehe ich genauso. Jedes Jahr gibt es zwei/drei Wochen, in denen sie überall sind und ich muss mich immer beherrschen, trotzdem nichts zu unternehmen. Und dann plötzlich kommen die Marienkäferlarven und der Spuk ist vorbei.
    Mit die besten Bienenpflanzen sind bei mir im Garten immer die blühenden Kräuter. Ich habe einen ‚falschen‘ Oregano, der sich unfassbar ausbreitet und ich ärgere mich, dass er null Aroma hat. Wollte ihn schon so oft raus reißen. Aber wenn er blüht und ich die Horden Bienen und Hummeln daran sehen, freue ich mich immer und er darf bleiben.
    Viele Grüße, Anne

    • Sven

      Liebe Anne,
      es ist tatsächlich schwierig, nicht gegen die Blattläuse vorzugehen. Wenn etwas ganz arg betroffen ist, schneide ich auch mal einen Stängel mit Blattläusen ab oder spritze sie mit dem Gartenschlauch weg. Dann sinkt meine Unruhe wieder. Aber im Grunde genommen merke ich jedes Jahr mehr, dass ein gesundes Ökosystem alles von selbst regelt. Vielen Dank für Deine Worte. Ich hoffe, wir können damit auch andere Gärtnerinnen und Gärtner überzeugen.
      Liebe Grüße,
      Sven.

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