Sommer,  Unser Garten

Mittsommer

Der längste Tag des Jahres ist angebrochen. Die Sonne ist an ihrem Scheitelpunkt angekommen. Von nun an werden die Tage kürzer. Ein Tag, der vor allem in den skandinavischen und baltischen Ländern gefeiert wird, denn ganz im Norden gibt es zu dieser Zeit keinen Sonnenuntergang. Diese besondere Nacht wird als Mittsommernacht oder Weiße Nacht bezeichnet.

Hereinspaziert! Mit dieser Üppigkeit wird der Besucher zu Mittsommer empfangen.

Bei uns beginnt um diese Zeit der Sommer. Um die Sommersonnwende herum zeigt sich der Garten in seiner prächtigsten Gestalt. Alles blüht aufs Üppigste, die Blätter und Stängel sind intensiv Grün und alles wirkt satt und stark. Es ist als wäre der Garten erwachsen geworden und trotzdem noch anmutig, wie die Jugend. Nun erzeugt nicht mehr das Wagemutige und Unfertige den Reiz, sondern das Bodenständige, Starke und Klare.

Rosengarten

Kurze, aber bezaubernde Gäste: Mohnblumen im Rosengarten.

In unserem Rosengarten sind nun alle Rosen erblüht. Das Farbenspiel bewegt sich von Weiß, über zarte Rosatöne, bis hin zu dunklem Rosa. Hier und da bringen Salbei, Katzenminze und Klematis etwas Blau und Violett zwischen die Königinnen. Dieses Jahr habe ich meinen Mohn nicht mit ungewolltem Beikraut verwechselt. Jetzt windet er sich durch alle Staudenlücken. Franzig und Weinrot, so zeigt er sich und bringt für wenige Tage Abwechslung in diesen Gartenraum.

Jetzt ist der Rosengarten besonders üppig und schön.

Warm und feucht war das Frühjahr. Ideal für das Wachstum der Pflanzen. Deshalb sind sie dieses Jahr besonders stark gewachsen. An manchen Stellen etwas zu üppig. Bevor sich jemand über Platzmangel beschwert, sorge ich für genügend Raum und greife zur Schere. So manche Staude hat es mit dem Wachsen übertrieben und kann sich kaum auf den Beinen halten. In diesem Fall bekommt sie ein kleines Gerüst, an dem sie sich festhalten darf.

Stauden umspielen die Königinnen dieses Gartenraumes.

Schattengarten

Es ist kaum zu glauben, dass es diesen Garten, in dieser Form, erst das zweite Jahr gibt. Ich wundere mich oft selbst, wie alles wächst. Im Schattengarten sind es die Eselsdisteln, die so manchen Spaziergänger am Gartenzaun festhalten. Bei den zwei Meter hohen Wächtern kommt man schnell ins Staunen. Aber Vorsicht! Die Eselsdistel ist ganz schön wehrhaft und lässt den Unvorsichtigen nicht mehr los. So ging es zumindest den Wikingern, deren Überfall auf die Schotten durch eine Vielzahl von Eselsdisteln vereitelt wurde. So zumindest die Überlieferung.

(Be-)stechende Verlockung: die Eselsdistel zwischen den Tuffs von Waldgeisbart.

Im Schattengarten blüht es vornehmlich in Weiß und in den verschiedensten Pastelltönen. Hier gibt es buchstäblich nur einen Hauch von Farbe. Ebenfalls beeindruckend ist im Moment der Waldgeißbart, der auch im Schatten mit seinen wunderschönen Tuffs brilliert und damit viele Insekten anlockt. Auch Sonne verträgt er, wenn der Boden dafür etwas feuchter ist. Begleitet wird er von Fingerhut und Sterndolde und hier und da wagt sich auch ein zart rosafarbener Mohn durch die Stauden.

Der Schattengarten ist vornehmlich in Weiß gekleidet.

Entré

Im Entré wirken vor allem Töpfe. Die Hostafunkien sind riesig und schmiegen sich an die Treppe zum Hauseingang. Jetzt sind sie besonders üppig und die Blätter noch jungfräulich. Kaum eine Schnecke hat sich hierhin verirrt und auch die Sonne hat sie noch nicht trocknen lassen. Ein wunderbarer Platz für den Nachmittagskaffee. Dann ist es dort schön schattig und man kann sich ohne zu schwitzen an den Topfarrangements erfreuen. Neben Hostas beherbergen die Töpfe noch Blumenhartriegel, Dahlien und Löwenmäulchen. Noch blühen die Dahlien nicht, aber die Knospen strotzen schon vor Kraft.

Ein Plätzchen zum Verweilen.

Double Border

Geht man weiter in den Garten, kommt man ins Double Border, dem Gelb-Weiß-Silber-Garten. Hier haben die Sommerblumen übernommen. Der Zierlauch und andere Zwiebelblumen sind vergangen und nun zieht eine ungeahnte Üppigkeit ins Beet. Dieses Jahr durften nur die kleinen, gelben Schmuckkörbchen ins Beet ziehen. Die großen Weißen wurden durch Dahlien ersetzt. Auch in Weiß! Sie blühen noch nicht, aber fangen an, ihren Platz zwischen den Stauden zu verteidigen. Sie wachsen was das Zeug hält! Fast wären sie von den Schnecken verspeist worden. Nur eine kleine Hitzewelle hatte sie im späten Frühjahr gerettet.

Das Double Border mit seiner typischen Farbkombination.

Auch im Double Border gibt es zwischen den Stauden ein kleines Bänkchen. Ein Überbleibsel von Oma Lissie, der ersten Besitzerin von Lissie´s Haus. Die Bank ist schon wackelig, hält aber sicher noch eine Saison aus. Auf dem kleinen Tisch mit Erdspieß stehen kleine Väschen, die die Blütenvielfalt dieses Gartenraums aufnehmen dürfen. Hier lässt sich das Beet besonders gut betrachten und man hat immer den Duft der Rosen und des Wehrmuts in der Nase.

Café-Laube

In der anschließenden Café-Laube lässt sich das Double Border ebenfalls gut betrachten. Aber nicht nur das. Hier überblickt man fast den gesamten Garten. Neben der Mini-Hosta-Sammlung, rahmen Klematis und verschiedene Schattenstauden diesen Platz. Im morgendlichen Hochsommer findet man hier ein schattiges und kühles Plätzchen. Ideal für den ersten Kaffee am Morgen. Die weißen Wimpel der letzten Geburtstagsfeier durften bleiben und machen diesen Platz zu etwas Besonderem.

Weisser Garten

Der Weisse Garten ist eher formal gehalten. Er ist ein Übergangsort. Hier muß ich zu dieser Jahreszeit besonders viel schneiden. Die weißen Rosen wollen gepflegt sein und die Stauden zeigen, was zu Mittsommer in ihnen steckt. Das viele Licht verleitet zu Wachstum und Stärke. Die Chlorophyll-Fabrik ist in vollem Gange. So musste ich erst unsere französische Turmspitze aus einem Geflecht von Waldgeisbart, Ballhortensie und Farn befreien. Sie mussten ganz schön Federn lassen. Aber es hat sich gelohnt und das kleine Plätzchen mit unserem Wasserbassin und der Hostasammlung sieht wieder bezaubernd aus.

Der Weisse Garten ist klein, aber fein.

Beim Durchwandern der Gartenräume in dieser Jahreszeit, zeigt sich nicht nur die Üppigkeit der Pflanzen, sondern auch die Vielfalt der Tiere. Insbesondere der Insekten, die sich in unserem Garten tummeln. Überall summt und brummt es. Ständig fliegt etwas knapp an einem vorbei. Keine Zeit, um auf die unberechenbaren Menschen Rücksicht zu nehmen. Auch eine kleine Notlandung auf mir kommt hin und wieder vor. Wie gut, dass unser Garten Nektar, Samen, Blätter und Wasser bereit hält. So ist der Tisch immer gedeckt.

Terrasse

Immer noch ohne Überdachung, das ist unsere Terrasse. Dafür mit neuem Schirm. Hier blüht es in den Töpfen um die Wette. Besonders der Oleander und der Agapanthus blühen, als gäbe es kein Morgen mehr. Auch sie schätzen die Zeit um Mittsommer und zeigen zum Sonnenfest die Schönheit ihrer Blüten. Da die Terrasse an den weißen Garten anschließt, blühen sie selbstverständlich auch in Weiß. Einem Hochzeitsstrauß würden sie alle Ehre machen.

Senkgarten

Hier punktet vor allem eine kleine Terrasse am Haus, auf der unser Topfgarten steht. Die Sommerblumen blühen kräftig und machen diesen Ort besonders. Malven, Pelargonien und Verbenen sind richtig üppig. Die Dahlien zieren sich noch ein wenig. Auf dem runden Tisch tummeln sich Kakteen und Dickblattgewächse. Auch sie kommen gerade zum blühen und erfreuen sich an der Sonnenkraft.

Ansonsten ist im Senkgarten keine große Blütenschau. Es ist eher ein Frühlingsgarten, der zum Juli hin erst einmal zur Ruhe kommt. Am Ende des Monats, bis in den Herbst hinein, blüht es dann mehr. Jetzt wuchert das Grün, das in Schach gehalten werden will. Damit es nicht ganz trostlos wirkt, blühen wenigstens der Storchschnabel, die Sterndolden und ein paar Fingerhüte. Alles in Weiß, Rosa und Violett.

Kräuter- und Gemüsegarten

Das Eine oder Andere ist geerntet. Salat, Spinat und Mangold sind bereits vergangen. Auch die Schnecken hatten großen Hunger, so dass der Traum von Kürbissen erst einmal gestorben ist. Scheinbar sind die Pflänzchen eine Delikatesse. Genauso wie der frisch eingesetzte Salat, von dem nichts mehr zu sehen ist. Dafür gibt es viele saftige und süße Erdbeeren. Meist werden sie im Vorbeigehen vernascht. Auch ein Vorteil von Mittsommer. Die Beerenzeit ist in vollem Gange.

Die Lücken im Hochbeet zeigen, dass die erste Ernte bereits vorbei ist.

Ab jetzt beginnt der Garten zu altern. Die stürmische Zeit geht dem Ende zu. Auch das Kommende hat seinen Reiz. Doch jetzt genieße ich erst einmal die Üppigkeit des jungen Erwachsenseins. Ein Prost auf den Mittsommer! Lass uns den Sommer mit all seiner Pracht begrüßen.

Trevlig Midsommar!

Dein Sven.

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